Leseempfehlung: Selbstorganisation der Basis: Das Beispiel Bolivien

Von Helge Buttkereit (29.01.2010)

amerika21.de

Auszug aus dem Kapitel „Prinzipien der Neuen Linken“ des Buches „Utopische Realpolitik“

Die Neue Linke in Lateinamerika wird – zumindest hierzulande – meist von oben betrachtet. Sie besteht nach dieser Lesart aus Chávez, Correa und Morales, den anti-neoliberalen Präsidenten des Kontinents. Das ist aber nur eine Seite. Das entscheidend Neue an der Neuen Linken ist, dass sie auf der Unterstützung der Basis beruht, einer selbstorganisierten und selbsttätigen Basis, die ihr Schicksal nicht mehr passiv hinnehmen will. Diese Basis bildet sich aus Menschen, die über Jahrzehnte unterdrückt wurden und keine wirkliche Stimme hatten – dies gilt insbesondere für die Indigenen – oder die durch paternalistische Gesten von oben und Klientelismus eingelullt worden sind. Deswegen ist es entscheidend, die Bewegung von unten her zu sehen, wie weit sie organisiert ist und wo ihre Grenzen liegen. Denn auf die Menschen und auf ihre Organisation kommt es an. Darauf, dass sie erkennen, dass sie etwas erreichen können und sich die Welt nur dann so weiter dreht wie bisher, wenn sie mitmachen. Wenn sie sich verweigern und versuchen, etwas Neues zu schaffen, kann ein Prozess der Veränderung in Gang kommen und nachhaltig sein. Sonst nicht.

Spätestens seitdem die Folgen des Neoliberalismus konkret spürbar sind, organisieren die Menschen an der Basis in Lateinamerika nicht nur ihr eigenes Leben. Immer mehr verstehen auch, dass die Organisation in der comunidad [1] nur dann die Situation konkret verbessern kann, wenn sie – von unten aus – das Ganze in den Blick nimmt. Prototypisch geschah dies in Bolivien, wo die MAS, das „politische Instrument für die Souveränität der Völker“ aus den sozialen Bewegungen heraus entstand. In Ecuador lief die Bildung der CONAIE ähnlich, und die Basisgruppen in Venezuela zeigten ihre Kraft 2002, verließen beim Putsch gegen Chávez die Barrios, wurden für ihren Präsidenten aktiv und ermöglichten so seine Rückkehr. Nicht zuletzt zeigt die Protektion der früheren bolivianischen Zirkel von oben, wie wichtig der Präsident die Basis seit Beginn seiner Amtszeit nimmt. Das Wort, das die Venezolaner dafür verwenden, ist protagonismo. Es beschreibt die praktische Einbindung der Basis als Protagonisten, also als konkrete historische Subjekte, die zum Prinzip geworden ist. Auch für die Zapatisten ist die Organisation von unten konstituierendes Element der gesamten Bewegung, sie hingegen lehnen als Gegenentwurf zu den linken Präsidenten das „Oben“ ab und leben und organisieren sich nur unten an der Basis.

Beschäftigen sich die Menschen in Lateinamerika heute mit der „großen Politik“, ist ihre Basis die Organisation vor Ort und meist auch die konkrete persönliche Betroffenheit. Die Trennung von privatem und politischem Leben ist oftmals aufgehoben oder hat gar nie existiert. Die Basis für diese Art der Organisation ist die comunidad (…). Die Akteure sind sich dessen bewusst, wie beispielsweise der folgende Auszug aus dem Programm der bolivianischen MAS aus dem Jahr 2001 zeigt: „Wenn die kapitalistische Wirtschaft des Austausches und der Akkumulation, die die Herrschaft des Privateigentums voraussetzt, uns die äußerste Armut gebracht hat, so haben wir keine andere Option, als unsere ökonomischen Prinzipien der Reziprozität und Umverteilung wieder aufzunehmen, das heißt, für das Gemeinwohl zu produzieren. (…) Unsere Gemeinden sollen nach den Prinzipien des ayllu, des ayni, der mink’a und der minga (Formen des Gemeinbesitzes und der gemeinschaftlichen Arbeit – H. B.) funktionieren, auf keinem Fall nach den Prinzipien der kapitalistischen Marktwirtschaft.“

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Razzia im Hätschelkinderhaus liefert Beweis

Aufgrund des zuhnehmendem Sozialsmissbrauches seitens der Hätschelkinder der Nation, veranlasste Arbeitsministerin Von der Leyen die Mitarbeiter der ARGEN nun dazu, genauer hinzusehen. Im Zuge zahlreicher Razzien in Häusern von Alleinerziehenden, machte die LeiSi (Leistungsträgersicherheit) nun ihren ersten Fund im Kleiderschrank einer dieser Luxusmiezen:

Panorama – Kriegspropaganda im Zeichen der Aufklärung

Ein Plädoyer für einen ernstgemeinten Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, so der Titel folgender Panorama Sendung vom 21.01.2010. in der nun also die Lüge vom friedlichen Krieg entlarvt wird, um in der Konsequenz die offene Kriegsführung zu propagieren. „Raus aus Afghanistan, das will die Mehrheit der Deutschen schon lange und der Politik fehlt der Mut zu sagen, wie gefährlich das wäre“ so der Tenor der Sendung

Der Militärexperte Klaus Naumann kommentiert:

„Wenn man Afghanistan hängen lassen würde, würde man riskieren dass die ganze Region destabilisiert wird, eben nicht nur Afghanistan allein. Diese Destabilisierung würde ausstrahlen, nach Zentralasien, nach Pakistan mit seinen Atomwaffen, in den Iran, in den Irak usw. Sie würde auch ausstrahlen nach Deutschland, mittelbar, nicht unmittelbar, der deutsche Staat wäre nicht gefährdet, aber unsere Sicherheit wäre bedroht.

[…]

“ Es geht nicht um die Rückkehr zum Nur-Soldatentum, zum Haudrauf, zum Söldner oder sonst noch was, es geht um ein ausgewogenes Verhältnis, aber es geht auch darum, diese militärische Kernaufgabe des militärischen Einsatzes mit Waffengewalt, als das zu aktzeptieren, was sie ist: ein notwendiges Übel, aber eben eine Notwendigkeit.“

Wow, was ein Doppeldenk-Künstler! Nicht der Krieg ist Ursache der Destabilisierung die immer weiter ausstrahlt, nein es ist nur die Rhetorik des friedlichen Einsatztes. Ändert man also die Rethorik und mordet noch ein wenig mehr, so stabilisiert sich auch die Lage. Ganz klar. Denn sonst würden auch wir armen Deutschen zwar nicht unmittelbar gefährdet,  nein, nur unsere  Sicherheit wäre bedroht. Für wie blöde will man uns eigentlich noch verkaufen?!

Im Anschluss noch eine Leseempfehlung – Karl Weiss: Die Geister die ich rief

Wie diese Geister aussehen, wird hier aufgezeigt:  Es war schon immer ein Terrorkrieg

La Grande Bouffe

Der Koch will zeigen was er kann
gewählt hat ihn der kleine Mann
bezahlt hat ihn der Große
zu binden seine braune Soße

Der General plant unterdessen
die Gänge für das große Fressen
entwirft am Reissbrett das Menue
mit militärischem Kalkül

Soldaten pflügen um das Feld
Die Händler liefern was bestellt
es wird gerodet und geerntet
ein jeder tut was er gelernt hat

Ein Schiff ums andre sticht in See
gefüllt mit Früchten fürs Bouffe
und weil auf See Piraten wüten
fehlt es auch nicht an schönen Mythen

Da prall in Hallen lagert Beute
tuts auch nicht weh wenn sich die Meute
das eine oder andre holt
um es zu tauschen gegen Gold

Und während Händler Waren horten
wird gefeilscht an anderen Orten
es gilt die Preise zu gestalten
solange wird zurückgehalten

Fortsetzung folgt…

G.