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Gestern starb in Pakistan eine gänzlich unwichtige Person mittleren Alters, ein politischer Versager, der von der Geschichte längst überholt ist

nämlich durch Millionen von Arabern, die Freiheit und Demokratie fordern. Dennoch drehte die Welt komplett durch.

weiter zu Robert Fisk – originaltext auf znet

(…) Natürlich erhebt sich eine weitere Frage, die bislang unbeantwortet ist: Hätte man Osama bin Laden nicht gefangen nehmen können? Die CIA, die Navy Seals, die US Special Forces und wer immer in Amerika mit seiner Tötung befasst war – hätten sie nicht die Möglichkeit gehabt, ihn zu fangen, wie man einen Tiger fängt, indem man ein Netz über ihn wirft? Barack Obama bezeichnet seinen Tod als „Gerechtigkeit“. Nun, in der guten, alten Zeit verstand man unter „Gerechtigkeit“ ein rechtsstaatliches Verfahren, ein Gericht, Aussagen, Verteidigung, einen Prozess. Osama bin Laden wurde niedergemäht – wie damals die Söhne von Saddam Hussein. Natürlich wollte Osama bin Laden niemals lebend gefangen werden. In dem Raum, in dem er starb, gab es massenweise Blut.

Doch ein Prozess vor Gericht hätte nicht nur Osama bin Laden Sorgen bereitet. Vielleicht hätte er schließlich über seine Kontakte zur CIA geplaudert – während der sowjetischen Besatzung Afghanistans – oder über seine kumpelhaften Treffen mit dem Chef des saudischen Geheimdienstes, Prinz Turki, in Islamabad. Man denke an Saddam, der schließlich nur für den Mord an 153 Menschen verurteilt wurde – nicht für den Tod von tausenden Kurden, die er vergasen ließ. Er wurde gehängt, bevor er Gelegenheit hatte, zu erzählen, dass er die Zutaten für dieses Gas aus Amerika hatte, dass er mit Donald Rumsfeld befreundet war und für den Einmarsch in den Iran, 1980, amerikanische Militärhilfe erhalten hatte.

Seltsamerweise war Osama bin Laden nicht aufgrund des 11. Septembers – diesen internationalen Verbrechen gegen die Menschlichkeit – der „meistgesuchteste“ Mensch, sondern aufgrund mehrerer Anschläge, die al Kaida schon zuvor durchgeführt hatte: auf US-Botschaften in Afrika und auf die US-Kaserne in Dharan. Es waren diese Anschläge, die ihm seinen Wildwest-Status einbrachten. (…)

ergänzend dazu:

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