Paranoide Paradoxien und gefährliches Halbwissen

Da mein  Schulbildung ja bekanntlich vorzeitig und aprupt im Alter von 16 Jahren endete, gehöre ich zweifelsfrei zu jenen Menschen, die mit ihrem gefährlichen Halbwissen irgendwie klar kommen müssen. Bei mir äußert sich das immer so, als dass ich gewisse Themen und Dinge einfach nicht mit meinem Verstand allein begreifen kann. In solchen Fällen verlasse ich mich dann meist auf meine Intuition, bzw. noch mehr auf meinen Instinkt. Oft weiss ich eine Sache nur instinktiv, irgendwie im Bauch, kann sie aber weder mir selbst, noch sonstjemanden erklären. Hier ist es dann immer meine Intuition, die,  wenn sie grade Zeit hat und gnädig gestimmt ist, mich dann an weitere Wissensquellen heranführt, welche dann auch meinem Verstand zu ein wenig mehr Durchblick verhelfen mögen. In der Schule fehlte aber für diesen Prozess immer der Raum und die Zeit, was wohl ein wesentlicher Grund für mein schulisches Versagen war.

Durch eine BBC Reportage über Zeitreisen, die ich in mein TV-Blog hochgeladen habe, machte ich nun Bekanntschaft mit dem Wissenschaftler Kurt Gödel, der auch ein enger Freund Einsteins war. Kurt Göbel war also derjenige, wie ich nun gelernt habe, der gezeigt hat, dass es in der Logik neben „richtig“ und „falsch“ noch eine dritte Kategorie gibt: „unentscheidbar“.

Den „größten Logiker seit Aristoteles“ hat man ihn genannt und einen „Mozart der Mathematik“. Weniger als 100 Seiten hat er zeitlebens publiziert (damit würde er heute nicht einmal Assistenzprofessor an einer Provinzuniversität), aber jedes seiner Theoreme hat ein neues Teilgebiet der mathematischen Logik begründet. „Seine Ausdrucksweise (mündlich sowie schriftlich) war stets von höchster Präzision und dabei von unübertrefflicher Kürze“, charakterisierte ihn sein langjähriger Freund, der österreichische Mathematiker Karl Menger. Ein Künstler der Knappheit also, den nur die fundamentalen Themen interessierten; ein Buchhalter des Metaphysischen, der die Strenge der Mathematik mit der Reichweite der Philosophie verband. Was ihn auszeichnete: seine kafkaesken Beweisstrategien – die Art, wie er mit unerbittlicher Logik surrealistisch anmutende Konstruktionen schuf, aus denen er auf abenteuerliche Weise das gesuchte Resultat herauszauberte. Ein Magier mit dem Rechenstab.

Die Tragik des Kurt Gödel besteht darin, dass er mit der gleichen Mischung aus logischem Rigorismus und kühnen Herleitungen auch sein Leben in den Griff zu bekommen versuchte. „In der Welt der Mathematik ist alles im Gleichgewicht und perfekt geordnet“, schrieb er. „Sollte man nicht dasselbe für die Welt der Realität annehmen?“ Gödel glaubte fest daran: „Die Welt ist vernünftig“, lautet der erste Satz seines philosophischen Credos, das man in seinem Nachlass entdeckte. Und darum musste es für jedes noch so zufällig scheinende Ereignis eine streng logische Erklärung geben, und Gödel fand stets eine, mochte sie auch noch so aberwitzig klingen. Dieser rücksichtslose Rationalismus trieb Gödel in den Verfolgungswahn, und zuletzt ging er elendiglich zugrunde, als er aus Angst vor Vergiftungen mit logischer Konsequenz jede Nahrung verweigerte.

heisst es in einem Tagesspiegelartikel

Der rationale Wahnsinn. Meine Güte, welch tragisches Paradoxon!

Leider weise ich ja selbst ähnlich paranoide Züge auf, wie der geniale Gödel und das obwohl ich bislang noch auf keinem Gebiet auch nur annähernd geniales erreicht habe! Ich werde meine Haltung ab sofort überdenken, meine Verfolger in Zukunft ignorieren und meine diffusen Krankheiten selbst heilen 😉

Ps. was das Thema Zeitreisen betrifft – ich habe mich  in meinen Träumen schon einige Male sowohl auf anderen Planeten als auch in anderen zeitlichen Epochen wiedergefunden. Diese Träume unterschieden sich von anderen, „nomlen“ Träumen vor allem dahingehend, als dass der Prozess des Aufwachens sich teilweise über mehrere Tage hingezogen hat und ich wirklich Mühe hatte, wieder in der hiesigen „realen“ Dimension anzukommen.

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