Staatsfeind oder Feind Staat

Bin ich ein Staatsfeind, wenn ich für meine Grundrechte kämpfe? Oder ist der Staat mein Feind, wenn er sie mir raubt?

Bin ich ein Staatfeind, wenn ich in einer friedlichen, gerechten Welt leben will, oder ist der Staat mein Feind, wenn er mich verfolgt, massakriert, kriminalisiert und terrorisiert?

Bin ich ein Staatsfeind, wenn ich Entwicklungen forcieren möchte, die unsere Natur erhalten, die unseren Lebensraum schützen und die das Überleben der Menschen erst möglich machen, oder ist der Staat mein Feind, wenn er diese Bemühungen sabotiert, wenn er mich dazu zwingt, Raubzüge zu unterstützen, die andere Menschen ans Elend ketten und die Natur zerstören.

Was tun mit diesem Staat?

Um Öl zu sparen kann ich natürlich Fahrrad fahren, zumindest innerhalb meiner kleinen innerstädtischen Welt. Bio essen geht  aus Kostengründen für die meisten von uns schon nicht mehr, zumal auch noch die (großen) Biohersteller zunehmend in die Fußspuren der lebensvernichtenden Profitindustrie geraten. Einen Schrebergarten anelgen mag für den einen oder anderen auch eine Alternative sein, der einen hat,  zumindest sein autarkes Gemüse zu züchten. Eine noch schönere Möglichkeit dies zu tun,  sind vor allem Gemeinschafts-und kommunale Gärten – schön sind natürlich auch Wohnprojekte die über das Gemüse hinausgehen.

Bleibt immer noch der Staat – der im Auftrag von Privatunternehmen, wenn nicht direkt vor meiner Haustür, dann doch schon vor der Nächsten sein Unwesen treibt, die Menschen ins Elend schickt, sie zu Sklaven degradiert, entmündigt und entrechtet, der Tiere massenhaft foltert und killt, der Ozeane vergiftet und plündert, der Landschaften verstrahlt und unbewohnbar macht, der den Regenwald rodet und den Lebensraum vernichtet.

Was also tun mit diesem Staat? Sein Feind sein? Oder ihn vielleicht retten?

Wie rettet man einen Staat vor sich selbst?

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Ein Milliarde Gewinn für die FIFA und ein paar Cents für die Näherinnen der Fussbälle

Inspiration heisst das neue Logo für die nächste WM in Brasilien, lese ich heute bei Klaus Baum:

Dazu hieß es heute nachmittag bzw. am frühen Abend auf Deutschlandfunk:

>>Inspirierend sind diese Mega-Events dennoch. Vor allem für korrupte Skandalnudeln wie CBF-Präsident Ricardo Teixeira, der auch dem FIFA-Exekutivkomitee angehört. Leuten wie ihm bieten sich vielfältige Möglichkeiten für traumhafte Privat-Renditen und märchenhaft gefüllte Konten. Teixeira will insbesondere die WM zum ganz großen Vorstoß nutzen: Er will 2015 FIFA-Präsident werden. Dies bestätigte Eduardo Deluca, Generalsekretär des südamerikanischen Fußballverbandes CONMEBOL, in Johannesburg dem Deutschlandfunk. Der CONMEBOL steht voll hinter Teixeira. >>>weiterlesen bei Klaus Baum

Ja, FIFA Präsident zu sein, ist natürlich inspirierend:

[…] mit den Werbeeinnahmen in Milliardenhöhe, die die Fifa in den Wochen der Weltmeisterschaft kassiert, könnte mühelos der Hunger in Afrika beseitigt werden. Millionen Kinder wären gerettet.

schreibt Jean Ziegler in seiner Kolumene in der workzeitung .

Und wer freut sich über diesen Milliardengewinn?

click Foto and read more on:indische-wirtschaft.de

Nur eine Bevölkerungsgruppe der südlichen Hemisphäre kann sich freuen: die Näherinnen und Näher von Sialkot, einer russverdreckten Industriestadt im Nordosten Pakistans. Sialkot ist die Welthauptstadt der Fussballfabrikation. 60 Millionen Bälle werden auf der Welt pro Jahr zusammengenäht. Fast 80 Prozent davon in Sialkot.
Ich habe die Stadt besucht: Über 50000 Näherinnen und Näher chrampfen dort in rund 1000 meist dunklen Werkstätten. Sie machen den ganzen Tag dieselben paar Handgriffe: zwei Nadeln gegenläufig durch die Löcher schieben, die Fäden um die Mittelfinger wickeln, mit einem kräftigen Ruck die Naht strammziehen. Pro Ball müssen 32 Sechsecke zusammengenäht werden. Das entspricht 750 Stichen.

WER BEZAHLT?

Ich habe übertrieben: «Freuen» können sich die Näherinnen und Näher eigentlich nicht. Ist Welt- oder Europameisterschaft, steigt der weltweite Verkauf an Fussbällen von 60 auf 70 Millionen. Es gibt dann zwar mehr Arbeit, aber die Elendslöhne bleiben. Eine Näherin verdient pro Ball 40 Rupien, das entspricht etwa 42 Rappen. (ca. 30 Cent) Pro Tag kann sie vier Bälle anfertigen. Ihr Tageseinkommen: 160 Rupien. Eine Pizza in Sialkot kostet 420 Rupien. Der Fabrikbesitzer verkauft den Ball an Adidas oder andere Sportartikelkonzerne für 14 bis 15 Franken. (ca. 10 Euro) In Zürich, Genf oder Bern kostet er in den Läden 40 bis 200 Franken (30 – 150 Euro).
Tuberkulose und Unterernährung verwüsten die Familien der Näherinnen und Näher von Sialkot. Das kümmert die Fifa wenig. Jemand muss ja für die horrenden Werbekosten der Sportkonzerne aufkommen, die Millionengagen der Kicker und Funktionäre bezahlen. Wer bezahlt? Die ausgebeuteten, unterernährten Arbeiterinnen und Arbeiter von Sialkot.

http://www.workzeitung.ch/tiki-view_articles.php?topic=2

Dubai – water for the rich, sand for the poor

„Osama Bin Laden often comes here and not only for dialysis…. Everybody here knows that.“

Neu in unserem Blogkino: The Dubai in me, ein Dokumentarfilm von Christian von Borris über den Irrsinn unserer Zeit und die Ausbeutung in Dubai

(habe den Film gestern bei Johannes Kreidler abgegraben und ihn als Playlist in unser Blogkino gehängt. )

Once the manic burst of building has stopped and the whirlwind has slowed, the secrets of Dubai are slowly seeping out. This is a city built from nothing in just a few wild decades on credit and ecocide, suppression and slavery. Dubai is a living metal metaphor for the neoliberal globalized world that may be crashing – at last – into the sands.

„The thing you have to understand about Dubai is – nothing is what it seems, nothing. This isn’t a city, it’s a con-job. They lure you in telling you it’s one thing – a modern kind of place – but beneath the surface it’s a medieval dictatorship.“ (Huffington Post)

http://the-dubai-in-me.com/

Wenn Pazifismus blind macht

Nein, keine Sorge, ich bin nicht über Nacht zu einer Kriegerin geworden. Es geht mir wie immer um die Einseitigkeit der Berichterstattung. Wir hören viel von Piraten, von Entführungen und  einem Flottenaufmarsch vor der Küste Somalias. Von was wir aber kaum noch etwas hören und viele von uns auch nichts hören wollen, ist von der Tatsache,  dass in Somalia die Menschen am Hungertod krepieren.  Selbstvertändlich bedingt durch den räuberischen Marktradikalismus der Industriestaaten, allen voran der EU. Europäische Raffgierindustrie Schiffe fischen vor den Küsten Somalias die Ozeane leer und Piraten verdienen Unsummen an Lösegeld für gestohlenes Frachtgut. Leider aber sehen von diesen Unsummen die hungernden Somalier keinen Cent. Sie hungern weiter und werden aktuell einzig und allein durch das Uno-Welternährungsprogramm am Leben gehalten.  Doch auch diese UNO- Schiffe sind den Attacken der Piraten ausgeliefert.

Jean Zieler nimmt sich dieses Themas in seiner aktuellen Kolumne in der workzeitung.ch  an:

Somalia zahlt für konfuse Pazifisten

Wir alle wissen es

Ja wir alle wissen es, wir wissen, dass alle paar Sekunden ein Kind verhungert und im Elend verreckt. Wir wissen dass über eine Milliarde Menschen nichts zu fressen hat, während der Reichtum in der Welt noch nie so groß war. Wir wissen, dass täglich unzählige Menschenleben durch Bomben und Geschosse vernichtet werden und die Rüstungsindustrie Rekordgewinne einstreicht. Wir wissen, dass unsere Umwelt kurz vor dem Kollaps steht. Wir wissen, dass über 37 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind vor dem Tod durch Umweltzerstöung, Krieg und Armut. Wir wissen auch, dass diese Menschen auf offener See gejagt, erschossen oder in Internierungslagern wie Schlachtvieh zusammengepfercht werden. Wir wissen, dass unsere Alten einsam und verlassen in Pflegeheimen vor sich hin vegetieren und  kaum jemand länger als ein paar Minuten am Tag Zeit für sie hat. Wir wissen, dass die Menschen immer weniger Lohn für ihre Arbeit erhalten, und wir wissen dass diejenigen die keine Arbeit mehr haben, zu immer sinnloserer Zwangsarbeit verpflichtet werden, für die sie noch weniger Lohn bekommen. Wir wissen, dass bald kein Same mehr keimen darf, den  Monsanto nicht designt und lizensiert hat und für den wir nicht das erforderliche Lösegeld bezahlen.  Es sollen immer noch mehr Waren produziert werden, die sich immer weniger Menschen leisten können, während die Müllhalden bis zum Mond anwachsen und die Rohstoffe zu Neige gehen. Das alles wissen wir. Wir wissen auch wo unsere Handys, Computer und Ostereier herkommen.

Da  wollen wir  doch bitte auch weiterhin sachlich und unaufgeregt debattieren.  Sachlich und basisdemokratisch uns der Sachverhalte annehmen.  Weiter über Bankenrettungen, Wirtschaftswachstum und humanitäre Kriegseinsätze diskutieren. Bis in alle Ewigkeit und bis  der Tod auch endlich vor unserer eigenen Haustür kehrt.