Ich kann jene Frau, die lieber Katzen versorgt als sich vom job center gänglen zu lassen, sehr gut verstehen.

Sie möchte etwas tun, das Sinn macht und  ich denke mal, die meisten Menschen ticken so.  Es gibt unzählige gebende Hände in diesem Land, die für ihre Leistungen nicht entlohnt werden und dennoch bereit sind, sich zu engagieren, auch wenn sie sich selbst dabei zum Sklaven machen, nicht satt werden, ihre Rechnungen nicht zahlen können und ihre soziale Ausgrenzung dadurch nicht im Geringsten aufgehoben wird. Sie bleiben Hartzies und  zählen von daher eben nicht zur  Gattung der sloterdjiken, sarrazzinen und buschkowsken Leistungsträger.

Angesichts dieser sinnlosen Zwangsmaßnahme , zu der man mich aktuell verdonnern will, bin ich auch schon Nahe dran, statt dessen einen Ein-Euro-Job zu machen. Wenn ich nur nicht so stur wäre.

Es ist halt meine unsägliche Arroganz und Sturheit, die mich glauben lässt, es reiche aus, das 10-Finger-Tippen zu beherrschen, obwohl man mir die Möglichkeit bietet, es wieder ganz neu zu erlernen. Es ist meine unsägliche Arroganz, die mir einredet,  dass auch das Bewerbungen schreiben etwas sei, das ich schon könne und dass ich mir einbilde,  kein Problem mit Vorstellungsgesprächen zu haben, nur weil ich füher, als ich noch jobangebote ausfindig machen konnte, auch immer wieder erfolgreich Vorstellungsgespräche geführt habe.

Die Europäische Union finanziert nun diesen Kurs, der die Arge also keinen Cent kostet, daher das großzügige Angebot. Wie kann ich nun so undankbar um nicht zu sagen unverschämt sein, dieses (Zwangs!)Geschenk zurückzuweisen?!

Weil Katzen versorgen tatsächlich mehr Sinn macht. Dennoch  neige ich dazu,  eherenamtliche Tätigkeiten auch ehrenamtlich und  freiwillig während meiner Freizeit auszuüben. Ebenso wie ich Weiterbildung als etwas verstehe, das weiterbildet und nicht als etwas, das mir meine Lebenszeit stielt. So stur bin ich eben.

Deswegen mangelt es mir aber noch lange nicht an Respekt vor jener Frau, die sich um Heim-Katzen kümmert. Ganz im Gegenteil! Ich finde nur, dass ein Leben in Würde etwas ist, was gerade auch ihr zusteht.

Von einem bedingungslosen Grundeinkommen, das ein würdevolles Leben für alle Menschen garantieren könnte,  sind wir noch weit enfernt und m. E. mangelt es da vor allem noch an wirklich ausgereiften Konzepten. Diesbezüglich möchte ich  hier gerne nochmals auf Kurts sehr lesenswerte Beiträge verweisen, es empfiehlt sich sehr, sie immer mal wieder  zu studieren. Danke Kurt, für diesen Nachlass!

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Auf den Punkt gebracht

hat es mal wieder Roger Beathacker, guckst  du hier:

Ein paar Worte zu Hartz IV Repressionen, Eckregelsatz und Mindestlohn

Im Grunde genommen bin ich ja strikt für die Entkopplung von Arbeit und Einkommen und die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens. Aber man kann ja nicht alles haben, jedenfalls nicht sofort und auf einen Schlag. Außerdem fällt die Notwendigkeit von Mindestlöhnen durch die Einführung eines BGE nicht weg – ganz im Gegenteil. Ein BGE, so wie ich es begreife, wäre ja nicht als Lohn oder Lohnersatz zu verstehen, sondern eher als eine Art „Gewinnbeteiligung“ aller Einzelnen am gesellschaftlich erzeugten volkswirtschaftlichen Gesamtprodukt. Damit ist (für mich zumindest) u. a. ausgeschlossen, dass es etwa über Verschuldung finanziert werden könnte. Da Gewinne aber nicht im voraus feststehen, kann man nicht fordern, dass es zugleich bedingungslos und existenzsichernd sein muss. Man kann sich aber sehr wohl das Ziel setzen, dass es – nach Möglichkeit – existenzsichernd sein soll. Die Frage der Existenzsicherung wäre also gesondert zu klären. Die meisten anderen Befürworter eines BGE, mit denen ich diese Frage erörtert habe, können sich mit meiner Position freilich kaum oder nur schwer anfreunden.

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Die Mechanik des Glücks

Auf folgenden Text von Günther Moll hatte ich hier schon mal hingewiesen und ich möchte ihn heute nochmals aufgreifen und den Menschen und BürgerInnen dieses Landes ans Herz legen, Herr Dr. Moll und sein Kollege haben hier  auf den Punkt gebracht, um was es  gesellschafts-und zukunftspolitisch wirklich geht in unserem Land und in unserer Zeit.

Die Mechanik des Glücks

Eine moralpolitische Vision

Das Leben ist schön! Der Mensch darf nicht als Kostenfaktor, Leistungsträger, Transferleistungsempfänger, Arbeitnehmer, Endverbraucher, Konsument oder Patient angesehen und eingeschätzt werden. Jeder Einzelne ist ein wichtiges Mitglied der Gesellschaft, ausgestattet mit der gleichen Würde vom Lebensmorgen bis zum Lebensabend. Dabei hat Politik die moralische Aufgabe, den Menschen in ihrem Streben nach Glück und Sicherheit zu dienen. Für eine glückliche Entwicklung bedarf es glücklicher Umstände, die es mitzugestalten gilt. Es gibt also eine „Mechanik des Glücks“. Jeder Mensch hat ein natürliches Recht auf eine glückliche Entwicklung und zugleich eine Mitverantwortung bei der Gestaltung der dazu erforderlichen gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen.

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Es ist für mich schlichtweg nicht mehr auszuhalten, mitansehen zu müssen wie auch in Zeiten der Krise der Lobbyismus, die Korporatokratie und der neoliberale Untergangsgeist die Welt weiterhin fest  in ihrem Würgegriff halten. Manipulation und Meinungsmache werden immer noch raffinierter, Aufklärung findet nur im Nieschenbereich der verschiedenen sozialen Bürgerrechtsbewegten statt. Wir alle wissen doch längst, dass uns nichts anderes als ein radikaler Kurswechsel den Weg in die Zukunft ebnen kann, wir müssen  weg von einer marktradikalen, ausbeuterischen und lebensvernichtenden Politik für Priviligierte und  hin zu einer Politik von Menschen für Menschen, einer Politik des  Miteinander,  der Kooperation, der sozialen Gerechtigkeit, sowie einer Politik der  Innovation und  Verantwortlichkeit  für die nachfolgenden Generationen. Wenn ich sehe wie augenblicklich die FDP wieder auftrumpft und von neuem   ihre menschenverachtende Politik der Stärkeren gegen die Schwächeren propagiert, wird mir ganz schwarz vor Augen.

Meine Güte selbst Bakterien scheinen über eine höhere Intelligenz zu verfügen,  als die Verfechter einer angeblich  „Sozialen Marktwirtschaft“!

Wenn immer mehr Menschen auch mit Arbeit nicht mehr in der Lage sind, ihre Familien zu ernähren, wenn kaum noch bezahlbare Wohnungen für Familien zur Verfügung stehen, wenn der Niedriglohnsektor immer weiter ausgebaut wird, es immer mehr Hartz IV Aufstocker gibt, so haben wir diese Entwicklung eben gerade der neoliberalen Ideologie zuverdanken, auf der gegründet uns nun der  „Rettungplan“ der FDP ins marktradikale Armageddon schicken will. Jeder Mittelständler der angeblich von dieser FDP vertreten werden soll,  kann morgen schon selbst Hartz IV-Betroffener und Niedriglohnjobber sein! Kurzsichtigkeit rechnet sich niemals. Wir müssen in die Zukunft investieren, in die Zukunft und in unsere Kinder.

In diesem Zusammenhang und auf der Suche nach neuen Modellen und Konzepten möchte ich außerdem kurz auf eine Abhandlung von  Jo Seeberger betreffend den Plänen eines  Bürgergelds  hinweisen, das heute auf den NachDenkSeiten verlinkt war

Das Bürgergeld – Frontalangriff gegen den Sozialstaat

Obwohl ich selbst zu den Befürwortern eines BGE gehöre, habe ich bislang noch kein wirklich ausgereiftes Konzept kennengelernt, das  frei von diesen im Text behandelten Schattenseiten  umgesetzt werden kann.  Trotzalledem halte ich die Idee  an sich dennoch für absolut zukunftsweisend. Im Blog notatio hat sich Roger Beathacker intensiv mit dem Thema befasst und ich kann die Lektüre seiner Ausführungen nur weiterempfehlen. Für mich bedeutet ein BGE in erster Linie die tatsächliche Umsetzung  der Menschen-bzw.  Grundrechte, die allen Menschen dieser Erde gleichermaßen zustehen.

Ein erster Schritt in Richtung Zukunft und Abschaffung der dramatisch steigenden Kinderarmut hier bei uns, sehe ich in einer Grundsicherung für Kinder

Angesichts steigender Kinderarmut hat ein Bündnis aus Sozialverbänden 500 Euro monatlich als Grundsicherung für jedes Kind in Deutschland gefordert. Im Gegenzug sollen alle bisherigen Familienleistungen abgeschafft werden. Ziel sei es, gegen die schockierenden Folgen von Armut zu kämpfen, sagte Christiane Reckmann vom Bündnis Kindergrundsicherung am Dienstag in Berlin.

Von Armut seien 2,4 Millionen Kinder in Deutschland betroffen, sagte Reckmann. „Das bisherige System hat versagt, es ist bürokratisch, intransparent und ungerecht.“ Dem neu gegründeten Bündnis gehören unter anderen der Deutsche Kinderschutzbund, die Erziehungsgewerkschaft GEW, die Arbeiterwohlfahrt und mehrere Sozialwissenschaftler an.

weiterlesen in der TAZ

Denn Menschenrechte, sind Kinderrechte und Kinderrechte sind Menschenrechte!

Kinder haben Rechte!

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:

  • Kinder haben das Recht auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit
  • Kinder haben das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit
  • Die Familie steht unter dem besonderen Schutz des Staates
  • Die Pflege und Erziehung ihrer Kinder sind die wichtigste Pflicht und Aufgabe der Eltern
  • (Werdende) Mütter haben in besonderer Weise einen Anspruch auf die Fürsorge der Gemeinschaft
  • Der Staat schützt die natürlichen Lebensgrundlagen der künftigen Generationen

UN-Kinderrechtskonvention:

  • Als „Grundeinheit der Gesellschaft“ erhält die Familie Schutz und Beistand – ganz besonders für die Entwicklung ihrer Kinder
  • Zur optimalen Entfaltung ihrer Persönlichkeit sollten Kinder in einer Familie umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen
  • Das Wohl des Kindes ist – vor allem in den Bereichen Sicherheit und Gesundheit – vorrangig zu berücksichtigen
  • Kinder dürfen ihre Meinung zu allen Belangen, die sie selbst betreffen, frei äußern und haben ein Recht darauf, dass die Meinung entsprechend ihres Alters und ihrer Reife berücksichtigt wird
  • Alle Kinder sind vor jeglicher Form von körperlicher oder geistiger Misshandlung, Verwahrlosung, Vernachlässigung, Missbrauch und Ausbeutung zu schützen
  • Jedes Kind hat das Recht auf ein Höchstmaß an erreichbarer Gesundheit sowie auf Behandlung vorliegender oder drohender Krankheiten
  • Kinder haben das Recht auf einen ihrer körperlichen, geistigen, seelischen, und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard
  • Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Förderung in einem angemessenen Lernumfeld
  • Die Bildung des Kindes muss darauf abzielen, seine Persönlichkeit, seine Begabung und seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zu entfalten
  • Alle Kinder haben ein Recht auf Ruhe, Freizeit, Spiel sowie eine altersgemäße aktive Erholung

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Haben Sie schon Ihren Antrag auf ein BGE gestellt?

Wo?

na hier auf der website der Bundesagentur für Einkommen gibts die Anträge als PDF

(Screenshot zum vergrössern anklicken)
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Antrag auf Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ermöglicht jedem Bürger, in Würde leben zu können, seine
Existenz und Grundbedürfnisse zu sichern und an der Gesellschaft teilzuhaben. Es steht jedem frei, einen
unbeschränkten Betrag hinzuzuverdienen oder auf Erwerbsarbeit zu verzichten. Jeder kann sich die
Tätigkeit auswählen, die ihm sinnvoll und wichtig erscheint. Jeder Bürger hat einen lebenslangen individuellen Rechtsanspruch auf das BGE, es wird ohne Prüfung der Bedürftigkeit monatlich ausbezahlt.[…]

Die Bundesagentur für Arbeit ist dagegen nicht sehr amused, über dieses am 01.04 2009 online gestelltes Antrags-Formular, hat sie doch just am selben Tag diese tolle Hartz IV-Werbeanzeige herausgegeben:

Hartz IV = Chancenlos? – Weder Sackgasse noch Endstation!
[…]„Unter den 2,3 Millionen Arbeitslosen in der Grundsicherung verbirgt sich ein großes Beschäftigungspotenzial, das es zu erschließen gilt und schon erschlossen werden konnte. Entgegen der weitläufigen Meinung ist „Hartz IV“ eben keine Sackgasse oder gar Endstation. Auch hier gibt es viele Erfolgsgeschichten. Der Weg zum Erfolg ist vielleicht manchmal ein wenig steiniger aber letztendlich umso ermutigender“, so Alt. (…)

Allein im Jahr 2008 konnten 1,4 Millionen Menschen aus der Grundsicherung in Erwerbstätigkeit vermittelt werden, auch wenn dies nicht immer zur Folge hatte, dass sie damit ihre Hilfebedürftigkeit endgültig beenden konnten.(!?) Teilhabe ermöglichen und damit gesellschaftliche Integration zu erreichen, dies ist für Alt oberstes Ziel.[…]

Diesen Erfolgskurs gilt es natürlich zu halten, wäre ja nochmal schöner, wenn da so ein freches BGE das ausgetüftelte, Roland Bergische Fallmanagement-Konzept einfach so untergraben würde!

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