Maude Barlow auf dem Gegengipfel in Toronto

Amy Goodman: Während sich die FührerInnen der Welt zum G20-Gipfel in Toronto trafen, versammelten sich Tausende – unter ihnen maßgebliche Aktivisten aus aller Welt – in Torontos Massey Hall, um sich gegen die Gipfel-Agenda zu wenden. Eine der Schlüssel-RednerInnen auf dem Treffen der GipfelgegnerInnen war Maude Barlow. Sie leitet das ‘Council of Canadians’, die größte Bürgerrechtsorganisation Kanadas. Barlow ist zudem MitbegünderIn des ‘Blue Planet Project’.

Amy Goodman: Dies war Maude Barlows Rede. Barlow war eine der Hauptrednerinnen auf der Veranstaltung in der Massey Hall von Toronto am Freitagabend. 3.000 Menschen quetschten sich bei diesem Event in die Halle. Zur selben Zeit trafen sich die G8 und später die G20. Laut Schätzungen wurden zwischen 900 und 1.000 Menschen verhaftet, unter ihnen viele Journalisten. Es war die größte Massenverhaftung in der kanadischen Geschichte. Für die Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen des Gipfels wurden – so wird geschätzt -, mehr als $1 Milliarde ausgegeben. Es war der teuerste Gipfel in der Geschichte Kanadas.

Die komplette Rede in deutscher Übersetzung findet sich auf lebenshaus-alb.de

Advertisements

Deutschland – Ein Sommernachtsalbtraum

Man kriegt das alles ja nicht mehr gebacken.  Da vergießen die Menschen Tränen, weil ihre Fussball-Nationalmannschaft den Weltmeister vergeigt hat, während sie den sozialen Kahlschlag im eigenen Land klaglos hinnehmen. Da wird mal eben die asozialste Gesundheitsreform durchgewinkt, die man sich hat ausdenken können, da werden die Rentenbeitragszahlungen der Menschen gestrichen, die jahrzehntelang in die Kassen einbezahlt haben und die dann kurz vor ihrem Ruhestnd in die Arbeitslosigkeit geschickt wurden, da soll das Elterngeld für diejenigen ganz gestrichen werden, die es am nötigsten brauchen. Das unveräußerliche Recht auf Bildung von Kindern, deren Eltern mangels jobangeboten erwerbslos sind, oder die aufgrund von Sklavenlöhnen ihr Gehalt aufstocken müssen, soll durch Chipkarten ersetzt werden – eine geniale Idee und lukrative Einkommenssicherung für all die dubiosen Nachhilfeinstitutionen und NPL-Trainer alá Scientology und CO, die sich nun endlich auch an den stigmatisierten Kindern aus einkommensschwachen Familien vergreifen können.

Ach ja, ganz nebenbei wurde auch noch ein Bundespräsident ins Amt gehievt, dessen Wahl eindeutig ungültig ist – und die Medien schweigen sich aus. Immerhin, auch wenn wir den Weltmeister im Fussball vergeigt haben, so tragen wir den Titel ja immer noch im Export und neuerdings sogar in der Beliebtheit –  BBC  hat’s  für uns ermittelt: Die Deutschen gelten als das beliebteste Volk der Welt! Bei soviel Freude, tut’s auch nicht weh, wenn die letzten noch verbleibenden „Querulanten“, misshandelt, traumatisiert und eingebuchtet werden. Kanada dürfte hier lediglich die Vorreiterrolle spielen und den Weg weisen, der auch alljenen hierzulande bevorsteht, die immer noch nicht begriffen haben, wie unsere „freiheitlich-rechtliche Demokratie“ funktioniert.

Dieser Beitrag wurde auch auf duckhome veröffentlicht.

Massive Polizeigewalt und ein Hauseinbruch bei einem fuehrenden Friedensaktivisten in Kanada waehrend der G20 Protestaktionen

An die 1000 Menschen, worunter auch sehr viele Journalisten waren, wurden im Zuge des G20 Gipfel in Toronto festgenommen. Um dies zu legitimieren, wurde im Vorfeld ein eigens auf die Protestaktionen ausgerichtetes, verfassungsfeindliches (Geheim)-Gesetz eingefuehrt, welches die Polizei ermaechtigt, jeden festzunehmen, der sich in der Naehe des G20 Gipfels aufhaelt und sich weigert, sich auzuweisen oder seine Taschen durchsuchen zu lassen. Doch auch voellig unbeteiligte Passanten, die sich am Wochenende in der Naehe der Protestaktionen aufhielten, wurden willkuerlich von der Polizei aufgegriffen und brutal zusammengeschlagen.

Hier die Zeugenaussage, eines unbeteiligten Fahrradfahrers, der nachdem er von der Polizei brutal niedergeschlagen wurde, ueber 12 Stunden mit Plastikhandschellen fixiert und blutueberstroemt  festgehalten wurde, ohne dass medizinische Notfallhilfe geleistet wurde :

Diese Zeugin, die auf dem Weg zu ihrer Geburtstagsparty war,  wurde mit 5 weiteren Maedchen in ein ca. 1,80 x 1,80 Meter grosses, mit Pfefferspray bespruehtes Kaefig gesperrt:

viele weitere Zeugenaussagen auf: http://therealnews.com/t2/

Der  fuehrende kanadische Friedensaktivist Sid Lacombe berichtet auf democracy now! wie in sein Haus eingebrochen wurde, waehrend er draussen lautstark zur internationalen Solidaritat aufrief:

Werkzeuge wurden gestohlen, Geld aber nicht angeruehrt, Akten wurden durchsucht, Schubladen durchwuehlt und wer auch immer dieser Einbrecher war, er war professionell genug um 2 Bolzenschloesser aufzubrechen, ohne Spuren zu hinterlassen.

weitere Beitraege zum G20-Totalitarismus:

Tatort G20

Tanzt mit mir den Widerstand

(ps. sitze heute an einem laptop mit englischer Tastatur, weswegen ich leider die ue’s u. oe’s nur ohne Tuepfelchen schreiben kann…)

Mir platzt hier heute die Hutschnur! [update]

update unten im Text

Ich zitiere mich mal ausnahmweise selbst, aus einem kommentar, den ich bei flatter gepostet habe:

Ich halt das grad alles nicht mehr aus – nix gegen Fußball, aber dann auch noch diese BuPrä Farce obendrauf, das ist einfach zuviel. In Toronto werden friedliche Demonstranten, die für soziale Gerechtigkeit auf die Straße gehen, sowie Journalisten massenhaft zusammengeschlagen und verhaftet, während hierzulande unsere „Maultasche“ als Siegerin gefeiert wird, hat sie doch endlich die Agenda 2010 global totalisiert. John Pilger spricht schon von einem War on Journalism, weil es kaum noch einem echten Journalisten gestattet wird, wahrheitsgetreu zu berichten. (nicht nur in Kanada!) Einige mussten schon untertauchen, um nicht im Knast zu landen. Das alles läuft unter “Generationengerechtigkeit” und die Linke darf wiedermal keinen einzigen Satz zuendereden, die Propaganda läuft auf Hochtouren und der Totalitarismus volle Kraft voraus. Aber unsere Demokratie ist gesund! Ich könnte grad fast durchdrehen (zumal ich versehentlich kurz in Maybirts Illness reingezäppt habe)

Und Herr Gauck findet den Krieg und das Morden in Afghanistan völlig in Ordnung, das einzige was er nicht in Ordnung findet, ist wie dieser Krieg kommuniziert wird:

„Warum sagen wir nicht in klaren Worten, was los ist? Dass unsere Soldaten dort im Auftrag der Vereinten Nationen Terrorismus bekämpfen und daneben noch eine Menge Gutes für die Menschen in Afghanistan tun.“

Muss man das noch kommentieren?

Sparen findet er auch gut, nur nicht am Krieg, nein die Armen müssen noch Ärmer werden!

Aber nein, die LINKEn, die sind echt dreist, kümmern sich nur um ihren Laden, zeigen keinerlei Willen zur Veränderung und verweigern sich diesem Supergauck, der sich wie kein anderer für den Ausgleich zwischen Ost und West einsetzen könnte.

Zwischen Ost und West? Die Gräben liegen doch wo ganz anders! Sie liegen zwischen Oben und Unten! Und genau für diesen Ausgleich, setzt sich keine andere Partei,  außer der Partei der Linken ein! That’s the Fact!

Was lob ich mir das diesen Gentelman aus Ohiao, von dem könnten auch hierzulande noch einige was lernen.  Allen voran SPD und Grüne!

Möge die Macht mit ihm sein und Frieden und Gerechtigkeit mit uns!

[Update] Noch ein paar Ergänzungen:

Wolfgang Lieb und Hartmut Finkeldey können rechnen! Christian Wulff hat im dritten Wahlgang die absolute Mehrheit nämlich 625 Stimmen erhalten aber Medien und Politik behaupten dreist, die LINKE hätte den Sieg Wulffs durch ihre Stimmenthaltung erst möglich gemacht. Eine dreiste Lüge, die darauf abzielt, sich  genau so ins Gedächtnis des unbedarften Publikums einzubrennen, daß also die pöse, unfähige LINKE sich gegen den großen „Freiheitskämpfer und Bürgerrechtler“ Gauck stellt, der zwar ein Pro Afghanistan- Krieg, ProHartz IV und Pro Sozialrassismus-Kandidat ist, aber immerhin einer, der durch Facebook und Medien zum SuperGAUck gehypt wurde!

Den Gipfel der Unverfrorenheit stürmte dann gestern bei Maybrit Illner der FDP-Geschäftsführer Otto Fricke, der der Linkenvorsitzenden Gesine Lötsch permanent ins Wort fiel, natürlich tatkräftigt unterstützt durch die Moderatorin. Es wäre ein Irrglaube, anzunehmen, die Schulden durch Einnahmen abbauen zu können, welche Investitionen in die Zukunft erst möglich machten, nein einzig und allein ein radikaler Sparkurs, der zwar kein Sparkurs, sondern ein Streichkurs und Sozialkahlschlag ist, könne die Welt retten.

Besonders gut sparen lässt sich natürlich an Löhnen, schließlich geht es hier um Leistung und nicht um Sozialromantik. Es geht um die Leistung der Hotelbesitzer, deren Steuerabgaben man sich sparen kann, während das Zimmermädchen im Akkord mal eben 4-5 der herrschaftlichen Zimmer die Stunde in Ordnung bringen darf, wenn es überhaupt noch soetwas wie Lohn mit nach Hause nehmen will,  das spart schließlich Zeit!

So soll auch erstmal das Wohngeld drastisch gekürzt werden, denn eigentlich könnten die Bedürftigen doch auch unter Brücken hausen, weit draußen vor der Stadt, oder in die schönen, deutschen Wälder ziehn.

Es geht hier wie gesagt um Gerechtigkeit, um „Generationengerechtigkeit!“ wie Herr Stoiber allsgleich noch nachschob“, und die „Hartz 4 All“ Durchsetzung in Toronto durch unserer „Bundesmaultasche“ in höchsten Tönen lobte. Auch die Elterngeldstreichung für Familien die darauf angewiesen sind, um ihren Kindern einen einigermaßen menschenwürdigen Start ins neue Leben zu ermöglichen, läuft bei ihm unter „Generationengerechtigkeit“. Wer von denen sich jetzt noch erlaube, Kinder in die Welt zu setzen, möge diese am besten gleich nach der Geburt in einer staatlichen Einrichtung abgeben und sich endlich einen Niedriglohnjob besorgen, (um die Bedürfnisse eines Kleinkindes geht es hier natürlich nicht!) . Alternativ gibt es zudem auch noch Tagesmütter, an die man dann im Gegenzug seinen Sklavenlohn für die Betreuung des Kleinkindes weiterreichen kann.

Also Leute, ist doch alles supergut, ne?  Es geht voran, mit Karacho – gegen die Wand!

Zum Abschluss hier nochmal: Tanzt mit mir den Widerstand!

siehe auch Blogbeitrag vom 08.07.2010:

Deutschland – Ein Sommernachtsalbtraum

Laut amerikanischen Gesetzen sind nur Diplomaten, Konsulatsmitarbeiter und Attachés berechtigt, Informationen über die US-Politik für ausländische Staaten zu sammeln.

lese ich gerade auf RIA Novosti.

Foto: Loveley Lisa Cash

Nach dieser Logik müssten jetzt also auch Journalisten, Reporter, Blogger, Autoren und Tagebuchschreiber allesamt „enttarnt“ und eingebuchtet werden. Und genau das haben wir in Toronto auch erlebt, nur dass es hier nicht explizit um US-Politik ging, sondern um Global-Politik, gestaltet von 20 staatlich-subventionierten Kapitalverbrechern . Wer hier Informationen jenseits der Propaganda sammeln und der Weltöffentlichkeit zukommenlassen wollte, dem wurde erstmal ordentlich die Fresse poliert, bevor er dann hinter Gittern landete:

And one of the most significant things that happened over this weekend is the direct assault on journalists. Journalists were told time and time again, you can stay in this area and report if you want to, but you’ll be arrested if you do. Physical manhandling of journalists—grabbing them, throwing them to the ground, sometimes thrown and punched in the face, and including what happened to our own Jesse Freeston at The Real News. And if there’s anything that will fundamentally change the nature of democracy in Canada, [it] will be an attack on journalists. The most significant thing we saw over the weekend was the willingness and the legal framework to suspend democratic rights—the right of free speech, the right of assembly, the right of journalists to operate, all within the rubric of existing law and extraordinary law.

Sollten in Zukunft tatsächlich nur noch „Hofberichterstatter“ Informationen über die Weltpolitik sammeln dürfen? Staaten gegen Staaten, das war einmal. Heute gilt: Staaten gegen Staatsbürger – egal ob das nun ausländische oder die eigenen sind.

High Time for Resistance – Tanz mit mir den Widerstand!

siehe auch John Pilger:  There is War on Journalism

Dieser Beitrag wurde auch auf duckhome veröffentlicht.