Staatsfeind oder Feind Staat

Bin ich ein Staatsfeind, wenn ich für meine Grundrechte kämpfe? Oder ist der Staat mein Feind, wenn er sie mir raubt?

Bin ich ein Staatfeind, wenn ich in einer friedlichen, gerechten Welt leben will, oder ist der Staat mein Feind, wenn er mich verfolgt, massakriert, kriminalisiert und terrorisiert?

Bin ich ein Staatsfeind, wenn ich Entwicklungen forcieren möchte, die unsere Natur erhalten, die unseren Lebensraum schützen und die das Überleben der Menschen erst möglich machen, oder ist der Staat mein Feind, wenn er diese Bemühungen sabotiert, wenn er mich dazu zwingt, Raubzüge zu unterstützen, die andere Menschen ans Elend ketten und die Natur zerstören.

Was tun mit diesem Staat?

Um Öl zu sparen kann ich natürlich Fahrrad fahren, zumindest innerhalb meiner kleinen innerstädtischen Welt. Bio essen geht  aus Kostengründen für die meisten von uns schon nicht mehr, zumal auch noch die (großen) Biohersteller zunehmend in die Fußspuren der lebensvernichtenden Profitindustrie geraten. Einen Schrebergarten anelgen mag für den einen oder anderen auch eine Alternative sein, der einen hat,  zumindest sein autarkes Gemüse zu züchten. Eine noch schönere Möglichkeit dies zu tun,  sind vor allem Gemeinschafts-und kommunale Gärten – schön sind natürlich auch Wohnprojekte die über das Gemüse hinausgehen.

Bleibt immer noch der Staat – der im Auftrag von Privatunternehmen, wenn nicht direkt vor meiner Haustür, dann doch schon vor der Nächsten sein Unwesen treibt, die Menschen ins Elend schickt, sie zu Sklaven degradiert, entmündigt und entrechtet, der Tiere massenhaft foltert und killt, der Ozeane vergiftet und plündert, der Landschaften verstrahlt und unbewohnbar macht, der den Regenwald rodet und den Lebensraum vernichtet.

Was also tun mit diesem Staat? Sein Feind sein? Oder ihn vielleicht retten?

Wie rettet man einen Staat vor sich selbst?

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Gar lustig ist das Zigeunerleben! Heissa Hey Hey Hurrah!

Ja, es ist herrlich,  das Zigeunerleben! Es lebt sich so fein, als Made im Speck des deutschen Sozialsstaats! Hier kann man so richtig die Sau raus lassen und auch mal frech werden, mit Türen knallen und es sich verkneifen,  der unverschämt grinsenden Sachbearbeiterin eine zu watschen, die sich freut, dass man es anscheinend auch „endlich gemerkt hätte“, dass ein Regelsatz von 215 €uronen (nach Abzug der Miete) für eine Mutter mit derzeit noch 2 Kindern im Haushalt ja doch ein wenig knapp  sind, um davon zu Leben. Vor allem wenn nur eines der Kinder Unterhalt vom Vater erhält, weil der andere ein armer Schulcker in der 3. Welt ist.  Tja, so ist das halt wenn die Mieten steigen, ne? Da freuen sich die Fallmanager und fangen an zu grinsen! Sie lachen und bleiben ganz ruhig, während der unzivilisierte Unterschichtler kurz vorm Amoklauf nach Beherrschung ringt.

Noch mehr Freude kommt auf, wenn man dann die nächste Abrechnung unter Berücksichtigung der beiden jobs, denen man neuerdings nachrennt,  erwartet. Da muss dann wieder ganz neu und  schön gerechnet werden und wer weiss, viell. langt das Einkommen dann ja auch ssogar wenigstens für die Miete? Die man dann auch endlich wieder selber und eigenmächtig überweisen darf.

Aber man kann sich natürlich auch eine günstigere Wohnung suchen, da hätte man dann vielleicht sogar auch  noch ein paar Cents zum Leben für sich und seine minderwertige Brut übrig! Es gibt ja auch irrsinnig viel Auswahl hierzulande und dass auch Wohnungen mit einem Zimmer weniger,  mehr kosten als die in der die gemeinen Unterschichtler seit nunmehr 2 Jahren wohnen, interessiert da nicht weiter. Um die zu finden haben die ja zuvor auch schon 1 und halb Jahre mit damals 3 Kindern und nur 6 – zeitweise sogar 11 Euronen überlebt. Also, jetzt sind es sogar noch 215,00 Euros, hey, thats pure luxury im Vergleich!

Also, freuen wir uns gemeinsam, grinsen wir, bleiben wir ruhig, gelassen und sachlich. Lernen wir zuhören, wie gerechnet wird. Lassen wir uns einweihen in die niedere Mathematik!

Wenn sie dann endlich wieder eine noch angemessenere Wohnung gefunden haben, können sie ja wieder ein Darlehen beantragen, für den Umzug, die Renovierung Kaution etc… da kommt schon was zusammen, dass man dann wieder vom Regelsatz abziehen kann.  Da können sie soviel arbeiten wie sie wollen, nutzt halt eben leider nix, wenn nicht genügend bei rein kommt. Pech.  Und da grinsen wir gleich nochmal ne Runde, scheint ja auch so herrlich die Sonne heute. Faria Faria Fum. Bum Bum.

Uschi ick freu mir wie blöd – uff dein neues Sparpaket!

Herrn Ackermanns Sehnsucht, ein guter Mensch zu sein und der Agrarfond der Deutschen Bank

Habe eben kurz in die Ackermann-PR-Show mit Maybrit Illner reingezappt, da erzählte der Chef, er wolle sich gerne für die Gesellschaft und das Gemeinwohl engagieren, wenn dann mal in den Ruhestand geht. Geld interessiere ihn schon lange nicht mehr.

Wie passt denn dieser Wunsch bspw. mit dem Agrarfond zusammen, den die Deutsche  Bank immer noch und nachdem sie Rettungsmilliarden als Gläubigerin der AIG, der IKB und der HRE kassiert hat, propagiert?

Ich meine, Herr Ackermann, angesichts der Tatsache, dass täglich über 100 000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen sterben und ca. 9oo Millionen Menschen auf der Welt permanent schwerst unterernährt sind, könnte Sie und ihre Bank da nicht heute schon eine Vorreiterrolle einnehmen und dafür Sorge tragen, dass diese mörderischen Spekulationen mit Nahrungsmitteln endlich unterbunden werden?! Könnten Sie sich da nicht bei der nächsten Party im Kanzleramt die Chefin mal zur Brust nehmen und ihr ordentlich ins Gewissen reden, dass hier dringender Nachholbedarf besteht, betreffend entsprechender Reglementierungen?

Überhaupt, die Kanzlerin sagte ja selbst, sie sehe in der Krise vor allem eine Chance. Es ist die Zeit der Rettung – sollten wir da nicht zu allererst den Hunger endlich abschaffen und die ärmsten der Armen retten?!

Hierbei gilt es 3 Ursachen zu bekämpfen:

Erstens das Agrar-Dumping. Die EU subventioniert das und wir exportieren unsere Überschüsse zum Beispiel nach Afrika, wo diese Überschüsse die Landwirtschaft zerstören. Zweitens die Produktion von Agrar-Treibstoffen. Die USA haben im vergangenen Jahr 138 Millionen Tonnen Mais verbrannt, um Agrar-Rohstoffe herzustellen. Dazu Hunderte Millionen Tonnen Getreide. Das hat zu einer unglaublichen Verknappung der Nahrungsmittel geführt. (Anmerkung G.: In Deutschland ist es Gesetz, dass dem normalen Treibstoff ein bestimmter Prozentsatz Agrartreibstoff beigemischt werden muss, momentan sind es mindestens 2 Prozent bei Benzin und 4,4 Prozent bei Diesel) Das dritte Übel ist die Spekulation auf Nahrungsmittel. Das funktioniert mit Agrar-Rohstoff-Zertifikaten, die an der Börse gehandelt werden.

Herr Ackermann, ich richte mich hiermit an Sie persönlich und biete ihnen hiermit einen einmaligen Vertrauensbonus, warum wollen Sie auf ihren Ruhestand warten um die Welt zu retten, die Welt braucht ihr Engagement schon heute! Ihres und unser Aller!

Kann die Erste Welt die Krise auch als Chance zur Neubestimmung begreifen?

Ja, genau. Der Zusammenbruch der neoliberalen Wahnidee macht die Sicht frei auf die Notwendigkeit einer ganz anderen Gesellschaft, eines planetaren Gesellschaftsvertrages. Wenn die Menschen in der Herrschaftswelt begreifen, was für ein Irrweg diese spekulative globalisierte Kapitalismus-Ordnung war. Absurd und mörderisch zugleich. Mörderisch, weil sie tötet, und absurd, weil sie unnützerweise tötet. Weil man ja alle materiellen Probleme lösen könnte mit diesem einzigartigen Überfluss an Ressourcen. Wenn diese Sicht sich in der westlichen Öffentlichkeit durchsetzen würde, dann wird auch die Sicht auf die Dritte Welt ganz anders. Dann kommt es zu einem Dialog, zu gemeinsamem Widerstand.

weiterführende links zum Thema Spekulation auf Nahrungsmittel:

Jean Ziegler: Tribunal für Spekulanten

Attac:Mit Steuergeld gerettete Banken wetten weiter auf Hunger

siehe auch Interview mit Dr. Jayati Ghosh im vorigen Beitrag

Landraub in Afrika und die mörderische Ignoranz diverser Biohersteller

Leseempfehlung: Jean Ziegler – Afrika: Spekulation mit dem Hunger

[…] 2009 kauften private Hedge-Funds oder spekulative Staatsfonds über 20 Millionen Hektaren fruchtbaren Ackerlandes im Süden der Sahara. Cargill besitzt jetzt 600 000 Hektaren in Äthiopien, Jarch Capital 400 000 Hektaren im Sudan. Der Waadtländer Konzern Addax Bioenergy erwarb soeben 20 000 Hektaren in Sierra Leone, dem zweitärmsten Land der Welt. Dort will er riesige Zuckerrohrplantagen anlegen, um Bioethanol zu produzieren. Auf dem enteigneten Land leben bis anhin Tausende kleiner Reisbauern mit ihren Familien. Sie werden vertrieben und enden in den elenden Slums der Hauptstadt Freetown. Kinderprostitution, Unterernährung, Zerstörung der Familien, permanente Arbeitslosigkeit sind ihre Zukunft.

WAS TUT DIE SCHWEIZ? Der Landraub in Afrika wird konsequent unterstützt von der Weltbank und den meisten westlichen Regierungen. Ihre Rechtfertigung: Es stimme zwar, dass fast ein Drittel aller Menschen Schwarzafrikas unterernährt seien. Aber die Produktivität der afrikanischen Bauern ist sehr gering. Auf einer Hektare ernten sie im Sahel ungefähr 600 bis 700 Kilo Getreide. Dagegen ernten die europäischen Bauern auf der gleichen Fläche durchschnittlich knapp 5 Tonnen. Also sei es besser, man enteigne diese Hungerleider und gebe ein wenig Geld an ihren Staat. Ein paar der verjagten Bauern könnten zudem als Taglöhner bei Addax arbeiten. Der versprochene Addax-Lohn ist 2 Franken pro Tag. Die Argumentation ist mörderisch: Statt für mehr Produktivität in der Landwirtschaft zu sorgen, wird den Bauern das Land weggekauft. Mit der Folge, dass die Zahl der Hungernden und Unterernährten weiter massiv steigen wird. [zum Artikel]

Wir dürfen das nicht zulassen! Rettet der Regenwald hat vor kurzem eine Protestaktion gegen diesen Landraub gestartet:

Aktion: Kein Zuckerrohr für deutsche Autos!

[…]Addax wirbt damit, den europäischen Markt mit 90 Millionen Litern Ethanol pro Jahr beliefern zu wollen. Die gesetzlich vorgeschriebenen und ständig steigenden Beimischungspflichten für Ethanol in Deutschland und der EU haben derartige Vorhaben attraktiv und rentabel gemacht. Sierra Leone ist zudem Partnerland der EU und profitiert vom zollfreien Zugang zum europäischen Markt. Die Investitionen für das Projekt belaufen sich auf 240 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben arbeitet Addax mit sieben internationalen Entwicklungsbanken zusammen, darunter die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) aus Köln, die zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gehört.

Die DEG finanziert als einer der größten europäischen Entwicklungsfinanciers Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungsländern, um nach eigenen Angaben zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum und besseren Lebensbedingungen beizutragen. Doch zu dem Ethanolprojekt schweigt die Bank und veröffentlicht keinerlei Informationen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung (BMZ) bestätigte gegenüber Rettet den Regenwald, dass die DEG sehr an der Finanzierung des Projekts interessiert sei. Danach befindet sich das Vorhaben in einem frühen Stadium der Projektvorbereitung durch die DEG, die interne und externe Experten zur Prüfung eingeschaltet habe, einschließlich vor Ort in Sierra Leone.

Bitte schreiben Sie an DEG und BMZ und fordern Sie, jedwede Form der Unterstützung und Finanzierung des Projekts unverzüglich und eindeutig abzulehnen hier klicken und unterschreiben

Siehe auch weitere Protestaktionen bei  rettet den regenwald, wie bspw. die Aktion: Biopalmöl aus Kolumbien: Vertreibung für deutsche Bioprodukte, worüber gestern auch Report Mainz berichtete:

Ps. hab mir erst letztens so ein leckeres Bio- Müsli gekauft, werde das aber solange nicht mehr tun, wie die Biohersteller ihre Produkte nicht  auf heimische Pflanzenöle umzustellen und sich für eine rasche Rückkehr der vertriebenen Kleinbauern in ihr Land einsetzen.