Leseempfehlung: Johan Galtung über den Zustand unserer Welt

sehr schöner Text von  Johan Galtung: Danke, Wikileaks! heute auf Lebenshaus Alb

fällt schwer, sich da eine kurzes Zitat herauzuziehen, da ich aber weiß, dass kaum jemand nur einen link anklickt, werde ich trotzdem etwas anschauliches hervorheben, also, bitte  unbedingt den ganzen Text lesen, er ist es wert!

Um in einer anarchistischen Welt die Interessen zwischen einzelnen Nationen auszugleichen, haben Staaten ein System geschaffen, das offenbar versagt hat. Es zeigt sich an den zahlreichen Kriegen, die es hervorgebracht hat. Das System zerfällt augenscheinlich immer mehr – genauso wie zuvor der Kolonialismus geschwächt und zerbrochen ist und eigentlich nur noch im US-Imperialismus überlebt hat, der nun ebenfalls immer schwächer wird – so wie es Wikileaks sehr deutlich veranschaulicht hat.

Im Gegensatz dazu haben nun die nationalistischen Tendenzen Aufwind. Eine Nation ist eine Gruppe von Personen mit einer gemeinsamen Sprache und einer Kultur (einschließlich Religion), dazu gehört auch eine Geschichte, eine Vision für eine gemeinsame Zukunft und ein Bekenntnis zur „Heimat“. Es gibt auf der Welt ungefähr 2000 Nationen und nur 200 Staaten. Das bedeutet, dass die Mehrzahl der Staaten viele Nationen beherbergt, normalerweise angeführt von einer Leitnation. Der nun stark zunehmende Nationalismus bietet ganz sicher auch keine guten Lösungen für die Weltprobleme.

Wir brauchen und verdienen etwas Besseres, nichts Perfektes, aber Besseres. Wir können nicht weiter Globalisierung auf der Grundlage der gegenwärtig vorherrschenden Absurditäten und Irrationalitäten betreiben. Trotzdem ist irgendeine Art Globalisierung unbedingt notwendig, schon alleine wegen der neuen Transport- und Kommunikationsweisen.

Der verstorbene Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker hat den Begriff „Welt-Innenpolitik“ geprägt – er hatte die Vision einer globalen Kultur und eines Weltstaates. Zu seiner eigenen Nachhaltigkeit würde ein solches System nämlich notwendigerweise eine lebensfähige natürliche Umwelt schützen und vier menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen trachten: Überleben, Wohlstand, Identität und Freiheit.

Da Gewalt eine Folge von ungelösten Konflikten ist, liegt der Schlüssel zum Überleben in der Lösung dieser Konflikte.

Um den Wohlstand der Menschen zu garantieren, müssen die materiellen Grundbedürfnisse befriedigt werden – Ernährung, Wohnen, Bekleidung, Gesundheit und Bildung. Menschen brauchen ein Einkommen zum Leben. Die Ressourcen dazu stehen zur Verfügung, das einzige Problem ist, dass sie gegenwärtig extrem ungleich verteilt sind.

Eine globale Identität verlangt nach Einheit in der Vielfalt. Sie steht für Offenheit und Respekt gegenüber der reichen Vielfalt kultureller Ausdrucksweisen. Gleichzeitig impliziert sie die Anerkennung eines gemeinsamen Zieles: des Menschen Glück. Das bedeutet ebenfalls, dass alle Weltsichten respektiert werden, die umgekehrt auch die anderen respektieren. Es wäre einfach falsch, die Kultur einer Nation allen anderen aufzudrängen. Das wäre auch nicht nachhaltig, sondern würde ständig Widerstand hervorrufen.

Freiheit bedeutet, die Wahl zu haben, das eigene Glück in den vorhandenen Kulturen und Strukturen zu finden. Freiheit fördert und regt die unbegrenzte Kreativität der Gattung Mensch an und zwar über die Reflexion gelebter kultureller Vielfalt.

Der Artikel 28 der Universellen Erklärung der Menschenrechte garantiert das Recht auf Leben in heimischen und weltweiten Strukturen, welche die Verwirklichung der Menschenrechte ermöglichen. Das heißt, dass Konfliktlösung sowohl Menschenrecht als auch Menschenpflicht ist. Das gilt auch für die Wirtschaft, die die Befriedigung materieller Grundbedürfnisse garantieren soll. Gegenwärtig verschlingt die Rettung der bankrotten Banken etwa 90 Prozent der Mittel, die Regierungen aus Steuermitteln zur Verfügung stellen. Nur 10 Prozent gehen in die Wirtschaftsförderung zur Befriedigung der Grundbedürfnisse der Bevölkerung. Dieses Missverhältnis gehört dringend umgekehrt.

zum vollständigen Text

sieh auch:

Warum gibt es eigentlich kein Friedensministerium? (Juli 2010)

Dennis Kucinich und Johan Galtung im Interview mit Paul Jay von the real news

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Wikileaks und Südamerika

Aus gegebenem Anlass ein paar links zum portal amerika21 –  Neben Iran, stehen aktuell vor allem die ALBA-Staaten ganz oben auf der „Feindes-Liste“ des US/Europa-Imperiums, mit ein Grund warum ich die Gerüchte um Mrs. Anna A.,  die ja auch von former CIA-Analyst Ray McGovern aufgegriffen u. bestätigt wurden, für plausibel halte.

weitere Aritkel unter: http://amerika21.de/dossier/wikileaks*

(…) Der deutschen Regierung wirft die Juristin vor, die Menschenrechtsverletzungen durch die Finanzhilfen für die umstrittene Staatsführung zu unterstützen: „Nach unseren Informationen hat die Bundesrepublik dem Regime von Porfirio Lobo mehr als 40 Millionen Euro zukommen lassen“. Dabei handele es sich um EU-Gelder, die von dem staatlichen entwicklungspolitischen Unternehmen GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) verwaltet werden und der Modernisierung der bewaffneten Organedienen. „Seither sehen wir neue Ausrüstung bei der Polizei: Schutzbekleidung, Waffen, Motorräder, Gasmasken, Tränengasbomben“, sagte die Demokratieaktivistin. „Die Gelder der deutschen Bundesregierung schüren unmittelbar die herrschende Gewalt, die Bedrohungen, die illegalen Festnahmen und in letzter Konsequenz auch die politischen Morde“, so Flores Lanza.

immerhin:

*und hier noch ein Interview mit Malte Daniljuk (amerika21) zu den Wikileaks-Dokumenten und der US-Botschaft in Honduras. ColoRadio, Dresden, 2. Dezember 2010

siehe auch folgende Blogeinträge:

Laufzeitverlängerungen als "Brückentechnologie" hin zu einem "grünen" Imperialismus der Zukunft

So in etwa läßt sich wohl zusammenfassen, um was den Herren Ressourceneigenern der Konzerne und ihren Handlangern geht. Hermann Scheer ist tot, es lebe Joschka Fischer. Man muss schließlich in die Zukunft investieren, denn wir alle wissen es, das Öl geht langsam aber sicher zur Neige. So stehen nun auch die ersten, neu entwickelten Biospritfighter bereit, für schöne neue grüne und klimafreundlichen Ressourcenkriege. Da gibt es dieses Lithium in den Händen von Linksextremisten, das befreit werden muss, da müssen fatamOrganische Großprojekte in der Sahara realisiert werden, die den Konzernen auch in grüner Zukunft ihr Monopol und ihre grünen Profite sichern, da gibt es Fische die gefangen* werden müssen und  Menschen die den sozialen Frieden bedrohen, müssen mit Drohnen kontrolliert werden.

Wir haben also alle Hände voll zu tun. Das Land braucht windige Ingenieure und großzügige, gemeinnützige Spender. Und einen König, der noch weiss was es heißt, Brücken zu bauen.

*siehe hierzu auch folgendes Interview mit Sidi Omar, zur Lage in der Westsahara. Von Anis Hamadeh.

nachtrag: sowie folgenden Beitrag auf Lebenshaus Alb

Wirtschaftskriege

Der Berliner Verteidigungsminister bestätigt den Zusammenhang zwischen deutschen Wirtschaftsinteressen und Interventionen der Bundeswehr. Man müsse in Deutschland „noch einiges tun“, um dieser Erkenntnis zum Durchbruch zu verhelfen, sagte Karl-Theodor zu Guttenberg auf der diesjährigen „Berliner Sicherheitskonferenz“, die gestern zu Ende ging. Ebenfalls am gestrigen Mittwoch hat das Bundeskabinett beschlossen, die Intervention der deutschen Kriegsmarine vor dem Horn von Afrika weiterzuführen, um dort auch künftig „sichere Handelswege (zu) garantieren“.

Haiti nach dem Erdbeben

Interview mit Didier Dominique,  Sprecher der BATAY OUVRIYE, eine Organisation die sich für den Aufbau einer kämpferischen, unabhängigen und demokratischen  Gewerkschaft in Haiti engagiert, in welcher sich neben den Arbeitern, auch Selbstständige und erwerbslose  Menschen gemeinsam organisieren.

Didier Dominique: US military helping to repress organizing of textile worker’s unions in Haiti:

Didier Dominique: Deliberate US policy weakened Haitian farming to create pool of cheap textile labor:

Dominique: Haitian elite want to go back to cheap textile labor and destroying national food production:

Die doppelte Erpressung

Schon länger wollte ich hier mal den Artikel „Die doppelte Erpressung“ von Slavo Zizek aus dem Jahr 2003 verlinken, an den ich mich bezüglich flatters Artikel zu den Grünen (und der im Kommentarbereich verlinkten Abrechnung Jutta Ditfurths mit den selbigen) wieder erinnert habe. Darin geht es um das „Monster Milosevic“ und seine westlichen Erzeuger. Ein sehr wichtiger Artikel, der wie ich finde bis heute nichts an seiner Aktualität verloren hat. Und das nicht nur in Bezug auf die von der Friedenstaube zum Kampfadler mutierten Grünen, sondern auch bezüglich „der Linken“ (oder präziser- gewisser Strömungen innerhalb dieser)  Da ich mitunter Schwierigkeiten habe, mich klar und präzise genug auszudrücken, zitiere ich aus dem Text, denn da steht genau das drin, was auch ich denke und fühle (Hervorhebungen von G.):

[…] Wenn der Westen Milocevic bekämpft, bekämpft er nicht seinen Feind, einen der letzten Opponenten gegen die liberaldemokratische neue Weltordnung, er bekämpft vielmehr seine eigene Kreatur, ein Monster, das aus den Kompromissen und Inkonsistenzen der westlichen Politik selbst erwachsen ist. In den letzten zehn Jahren hat der Westen ein Hamlet-artiges Zaudern gegenüber dem Balkan an den Tag gelegt, und die aktuelle Bombardierung trägt alle Züge von Hamlets finalem mörderischen Ausbruch, der eine Menge unnötiger Toter zur Folge hat (nicht nur den König, sein eigentliches Ziel, sondern auch seine Mutter, Laertes und Hamlet selbst…), weil Hamlet zu spät handelt. Und auch der Westen zahlt in der aktuellen Intervention den Preis für all die Jahre des Zögerns.

Eins ist sicher: Die Bombardierung Jugoslawiens durch die Nato wird die geopolitischen Koordinaten der Welt verändern. Der ungeschriebene Pakt einer friedvollen Koexistenz ist gekündigt. Der erste Eingriff der neuen Weltpolizei, die sich das Recht herausnimmt, souveräne Staaten für ihre Fehler zu bestrafen, signalisiert jedoch zugleich bereits das Ende der neuen Ordnung, denn es ist sofort evident geworden, daß die Universalität der Menschenrechte als Legitimation falsch ist, das heißt, daß sich hinter der Auswahl bestimmter Ziele bestimmte politische Interessen verbergen. Die Bombardierung bedeutet zugleich das Ende jeder ernsthaften Rolle von Uno und Sicherheitsrat. Es ist die Nato, die alle Fäden in der Hand hält. Darüber hinaus ist ein stiller, bis heute gültiger Pakt mit Rußland gebrochen worden: Rußland wurde öffentlich immer noch als Supermacht behandelt, doch jetzt ist es offen gedemütigt worden. Schließlich wird die logische Folge der neuen Situation natürlich das erneute Aufkommen antiwestlicher Tendenzen sein, mit der traurigen Konsequenz, daß kriminelle Figuren wie Milocevic als Streiter gegen die neue Weltordnung gefeiert werden.

Die Lektion lautet also, daß die Alternative zwischen einer neuen Weltordnung und neorassistischen Nationalisten keine ist – es handelt sich um die zwei Seiten einer Medaille. Die neue Weltordnung gebiert selbst die Monstrositäten, die sie bekämpft. Deswegen gehen die Proteste der kommunistischen Parteien ueberall in Europa, und so auch der PDS, völlig fehl. Der Weg, die kapitalistische Weltordnung zu bekämpfen, führt nicht über die Unterstützung lokaler Faschisten.

Man muß sich statt dessen der einzigen relevanten Frage heute stellen: Wie kann man transnationale politische Institutionen errichten, die stark genug sind, der unumschränkten Herrschaft des Kapitals Widerstand zu leisten, und die politisch sichtbar machen, daß die fundamentalistischen Widerstände gegen die neue Weltordnung, von Milocevic über Le Pen bis zur extremen Rechten in ganz Europa, Teil dieser Herrschaft sind?

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