Weil heute Ostern ist

Man könnte dieses Stammheim natürlich noch wesentlich detaillierter darstellen, bspw. in dem man die unterirdischen Transportwege, für den in den stillgelegten Atommeilern deponierten Atommüll aufgezeichnet bzw. die Akteuere näher bleuchtet, die an den Schiebereien beteiligt sind. Man könnte der Frage auf den Grund gehen,  welche Art von „Nachhaltigkeit“ eigentlich damit einhergeht, wenn die nordafrikanische Wüstensonne, in den Tank Europäischer Energiekonzerne gepackt wird. Man könnte untersuchen, wer im Rennen um Superintelligenz wirklich vorne liegt, die immer ausgefeilteren Satelliten-und Waffensysteme oder ihre Schöpfer. Man könnte die neusten Erfolgs-Studien Monsantos im Kampf gegen den Hunger auseinandernehmen oder die Erklärungen der Pharmaindustrie, warum Patente und Monopolpreise Leben retten und warum im Gegenzug Generika aus „Billiglohnländern“ den Menschen vorenthalten und vom Markt gedrängt werden müssen…

Genausogut könnte man sich aber die Frage stellen, warum um Himmels Willen in der Welt wir nicht endlich mit diesem ganzen Bullshit aufhören, was uns verdammt nochmal davon abhält, das Leben in seiner Vielfalt zu lieben, zu schützen und zu bewahren, die unzähligen selbstgemachten Leiden endlich zu lindern, den Hungrigen Nahrung u. den Frierenden Obdach zu geben, wenn doch alle zur Vefügung stehenden Mittel vorhanden sind, es also keinen Mangel an Gütern gibt, sondern lediglich einen Mangel an Güte.

Und wenn wir schon dabei sind und weil heute Ostern ist, wollen wir uns heute auch nochmals dem vom Gesandten Jean Ziegler prophezeiten„Aufstand des Gewissens“ annehmen. Dazu verlinke ich einen interessanten Beitrag aus den Salzburger Nachrichten, darin wird erläutert, warum Jean Ziegler als Redner zu den Salzburger Festspielen erst eingeladen – dann aber wieder ausgeladen wurde (kommt einem ziemlich bekannt vor, das Spiel, nicht?)

Abschließend noch ein Trinkspruch: Santa Maria della Salute!

(fiel mir gerade einfach so spontan ein, als ich diesen billigen Aldifusel von unserem Herren der Liebe und des Lebens habe segnen und in einen ganz herrlichen, spritzigen Riesling verwandlen lassen habe…)

Ps.  Ein Lied darf heute natürlich auch nich fehlen, „Take off your shoes“ aus dem neuen Album „Home“ von Sinead O’Connor , welches im Mai 2011 rauskommt.

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Leseempfehlung: Jean Ziegler über Griechenland

FLUCHTGELDER. Gemäss Schätzungen der Europäischen Zentralbank liegen in der Schweiz 36 Milliarden Euro unversteuerter Fluchtgelder griechischen Ursprungs. Diese Steuer- und Kapitalflucht ist permanent: Im Januar 2010 flossen griechische Fluchtgelder von drei, im Februar von fünf Milliarden Euro zu ausländischen Banken.
Derweil erlebt das griechische Volk eine Erpressung, wie sie in der jüngeren Geschichte unseres Kontinents einmalig ist. Ein Blick zurück: Während langer Jahre regierte in Athen die Clique um den scharf rechten Kostas Karamanlis. Als politischer Handlanger der griechischen Hochfinanz half er gewissenhaft bei der Plünderung des Landes. Beispiel: Die Gebühren und Ticketsteuern der griechischen Flughäfen wurden dank einem Geheimvertrag mit der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs auf sechs Jahre hinaus verpfändet. Die aufgenommenen Millionenkredite verschwanden.

weiter zum Artikel: Athen im Widerstand

Herrn Ackermanns Sehnsucht, ein guter Mensch zu sein und der Agrarfond der Deutschen Bank

Habe eben kurz in die Ackermann-PR-Show mit Maybrit Illner reingezappt, da erzählte der Chef, er wolle sich gerne für die Gesellschaft und das Gemeinwohl engagieren, wenn dann mal in den Ruhestand geht. Geld interessiere ihn schon lange nicht mehr.

Wie passt denn dieser Wunsch bspw. mit dem Agrarfond zusammen, den die Deutsche  Bank immer noch und nachdem sie Rettungsmilliarden als Gläubigerin der AIG, der IKB und der HRE kassiert hat, propagiert?

Ich meine, Herr Ackermann, angesichts der Tatsache, dass täglich über 100 000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen sterben und ca. 9oo Millionen Menschen auf der Welt permanent schwerst unterernährt sind, könnte Sie und ihre Bank da nicht heute schon eine Vorreiterrolle einnehmen und dafür Sorge tragen, dass diese mörderischen Spekulationen mit Nahrungsmitteln endlich unterbunden werden?! Könnten Sie sich da nicht bei der nächsten Party im Kanzleramt die Chefin mal zur Brust nehmen und ihr ordentlich ins Gewissen reden, dass hier dringender Nachholbedarf besteht, betreffend entsprechender Reglementierungen?

Überhaupt, die Kanzlerin sagte ja selbst, sie sehe in der Krise vor allem eine Chance. Es ist die Zeit der Rettung – sollten wir da nicht zu allererst den Hunger endlich abschaffen und die ärmsten der Armen retten?!

Hierbei gilt es 3 Ursachen zu bekämpfen:

Erstens das Agrar-Dumping. Die EU subventioniert das und wir exportieren unsere Überschüsse zum Beispiel nach Afrika, wo diese Überschüsse die Landwirtschaft zerstören. Zweitens die Produktion von Agrar-Treibstoffen. Die USA haben im vergangenen Jahr 138 Millionen Tonnen Mais verbrannt, um Agrar-Rohstoffe herzustellen. Dazu Hunderte Millionen Tonnen Getreide. Das hat zu einer unglaublichen Verknappung der Nahrungsmittel geführt. (Anmerkung G.: In Deutschland ist es Gesetz, dass dem normalen Treibstoff ein bestimmter Prozentsatz Agrartreibstoff beigemischt werden muss, momentan sind es mindestens 2 Prozent bei Benzin und 4,4 Prozent bei Diesel) Das dritte Übel ist die Spekulation auf Nahrungsmittel. Das funktioniert mit Agrar-Rohstoff-Zertifikaten, die an der Börse gehandelt werden.

Herr Ackermann, ich richte mich hiermit an Sie persönlich und biete ihnen hiermit einen einmaligen Vertrauensbonus, warum wollen Sie auf ihren Ruhestand warten um die Welt zu retten, die Welt braucht ihr Engagement schon heute! Ihres und unser Aller!

Kann die Erste Welt die Krise auch als Chance zur Neubestimmung begreifen?

Ja, genau. Der Zusammenbruch der neoliberalen Wahnidee macht die Sicht frei auf die Notwendigkeit einer ganz anderen Gesellschaft, eines planetaren Gesellschaftsvertrages. Wenn die Menschen in der Herrschaftswelt begreifen, was für ein Irrweg diese spekulative globalisierte Kapitalismus-Ordnung war. Absurd und mörderisch zugleich. Mörderisch, weil sie tötet, und absurd, weil sie unnützerweise tötet. Weil man ja alle materiellen Probleme lösen könnte mit diesem einzigartigen Überfluss an Ressourcen. Wenn diese Sicht sich in der westlichen Öffentlichkeit durchsetzen würde, dann wird auch die Sicht auf die Dritte Welt ganz anders. Dann kommt es zu einem Dialog, zu gemeinsamem Widerstand.

weiterführende links zum Thema Spekulation auf Nahrungsmittel:

Jean Ziegler: Tribunal für Spekulanten

Attac:Mit Steuergeld gerettete Banken wetten weiter auf Hunger

siehe auch Interview mit Dr. Jayati Ghosh im vorigen Beitrag

I have a Dream

genauer gesagt  its  an Albdream, der mich seit meiner Kindheit immer wieder aus dem Schlaf schreckt…

Es sterben nach und nach alle herzensguten Menschen weg und ich bleibe allein zurück, allein unter all denen, für die Herzensgüte nur ein schlechter Witz ist.

Als dieser Albtraum mich kürzlich mal wieder heimsuchte, schrieb ich einen langen Brief an Jean Ziegler, ich erzählte ihm eine Geschichte, beschrieb ihm den täglich zunehmenden Sozialrassismus in unserem Land, die immer größer werdende Dreistigkeit der Herrschenden, beim Durchsetzen ihrer apokalyptischen Ziele mit Hilfe der offensichtlichen Komplizenschaft jener, auf deren Kosten diese Ziele durchgesetzt werden, die aber meinen, sich nur durch diese Komplizenschaft von jenen abgrenzen zu können,  die selbst  noch nicht mal das Brot zu der Butter haben, die sie (die Komplizen) sich nicht von ihrem nehmen lassen wollen.

Ich bedankte mich bei Herrn Ziegler für sein unermüdliches Engagement und die Hoffnung, die ich zwar fast verloren hatte, die er aber dann doch auch  immer wieder in mir aufkeimen lasse. Es kam auch eine kurze Antwort – eine ausführlichere fand ich gestern in  diesem Interview.

Landraub in Afrika und die mörderische Ignoranz diverser Biohersteller

Leseempfehlung: Jean Ziegler – Afrika: Spekulation mit dem Hunger

[…] 2009 kauften private Hedge-Funds oder spekulative Staatsfonds über 20 Millionen Hektaren fruchtbaren Ackerlandes im Süden der Sahara. Cargill besitzt jetzt 600 000 Hektaren in Äthiopien, Jarch Capital 400 000 Hektaren im Sudan. Der Waadtländer Konzern Addax Bioenergy erwarb soeben 20 000 Hektaren in Sierra Leone, dem zweitärmsten Land der Welt. Dort will er riesige Zuckerrohrplantagen anlegen, um Bioethanol zu produzieren. Auf dem enteigneten Land leben bis anhin Tausende kleiner Reisbauern mit ihren Familien. Sie werden vertrieben und enden in den elenden Slums der Hauptstadt Freetown. Kinderprostitution, Unterernährung, Zerstörung der Familien, permanente Arbeitslosigkeit sind ihre Zukunft.

WAS TUT DIE SCHWEIZ? Der Landraub in Afrika wird konsequent unterstützt von der Weltbank und den meisten westlichen Regierungen. Ihre Rechtfertigung: Es stimme zwar, dass fast ein Drittel aller Menschen Schwarzafrikas unterernährt seien. Aber die Produktivität der afrikanischen Bauern ist sehr gering. Auf einer Hektare ernten sie im Sahel ungefähr 600 bis 700 Kilo Getreide. Dagegen ernten die europäischen Bauern auf der gleichen Fläche durchschnittlich knapp 5 Tonnen. Also sei es besser, man enteigne diese Hungerleider und gebe ein wenig Geld an ihren Staat. Ein paar der verjagten Bauern könnten zudem als Taglöhner bei Addax arbeiten. Der versprochene Addax-Lohn ist 2 Franken pro Tag. Die Argumentation ist mörderisch: Statt für mehr Produktivität in der Landwirtschaft zu sorgen, wird den Bauern das Land weggekauft. Mit der Folge, dass die Zahl der Hungernden und Unterernährten weiter massiv steigen wird. [zum Artikel]

Wir dürfen das nicht zulassen! Rettet der Regenwald hat vor kurzem eine Protestaktion gegen diesen Landraub gestartet:

Aktion: Kein Zuckerrohr für deutsche Autos!

[…]Addax wirbt damit, den europäischen Markt mit 90 Millionen Litern Ethanol pro Jahr beliefern zu wollen. Die gesetzlich vorgeschriebenen und ständig steigenden Beimischungspflichten für Ethanol in Deutschland und der EU haben derartige Vorhaben attraktiv und rentabel gemacht. Sierra Leone ist zudem Partnerland der EU und profitiert vom zollfreien Zugang zum europäischen Markt. Die Investitionen für das Projekt belaufen sich auf 240 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben arbeitet Addax mit sieben internationalen Entwicklungsbanken zusammen, darunter die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) aus Köln, die zur Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gehört.

Die DEG finanziert als einer der größten europäischen Entwicklungsfinanciers Investitionen privater Unternehmen in Entwicklungsländern, um nach eigenen Angaben zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum und besseren Lebensbedingungen beizutragen. Doch zu dem Ethanolprojekt schweigt die Bank und veröffentlicht keinerlei Informationen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung (BMZ) bestätigte gegenüber Rettet den Regenwald, dass die DEG sehr an der Finanzierung des Projekts interessiert sei. Danach befindet sich das Vorhaben in einem frühen Stadium der Projektvorbereitung durch die DEG, die interne und externe Experten zur Prüfung eingeschaltet habe, einschließlich vor Ort in Sierra Leone.

Bitte schreiben Sie an DEG und BMZ und fordern Sie, jedwede Form der Unterstützung und Finanzierung des Projekts unverzüglich und eindeutig abzulehnen hier klicken und unterschreiben

Siehe auch weitere Protestaktionen bei  rettet den regenwald, wie bspw. die Aktion: Biopalmöl aus Kolumbien: Vertreibung für deutsche Bioprodukte, worüber gestern auch Report Mainz berichtete:

Ps. hab mir erst letztens so ein leckeres Bio- Müsli gekauft, werde das aber solange nicht mehr tun, wie die Biohersteller ihre Produkte nicht  auf heimische Pflanzenöle umzustellen und sich für eine rasche Rückkehr der vertriebenen Kleinbauern in ihr Land einsetzen.