Nachtrag zu Cancun und dem lukrativen Geschäft mit der Zerstörung

Ergänzend zu den Democracy Now! Beiträgen aus Cancun, hier noch ein statement in Deutscher Übersetzung, welches die  Durban Group for Climate Justice bei der letzten Klimakonferenz in Kopenhagen abgab:

Kein REDD! Kein REDD Plus!

Statement der ‚Durban Group for Climate Justice‘ gegen die Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen aus Entwaldung und Walddegradation (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation REDD):

Als Teil der fortwährenden Kritik an den ineffektiven und ungerechten Lösungen zum Klimawandel – einschließlich dem Handel mit Kohlenstoffdioxid und Geo-Engineering – lehnt die Durban Group for Climate Justice die Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen aus Entwaldung und Walddegradation (REDD), die gegenwärtig im Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über den Klimawandel formuliert werden – und schon in Maßnahmen der Weltbank, wie der Forest Carbon Partnership Facility, und dem REDD-Programm der Vereinten Nationen erprobt werden – ab.

Der vorgeschlagene ‚Walddeal’ in Kopenhagen gefährdet die menschliche Zukunft, da er der weiteren festen Verankerung des Verbrauchs von fossilen Brennstoffen dient – der Hauptursache der Klimakrise – und es zugleich versäumt, die Zukunft der Wälder und die Rechte der indigenen Völker und waldabhängigen Gemeinschaften über ihre Territorien und ihr Wissen über den Wald zu gewährleisten. Überdies missachten die nördlichen Industrieländer die Notwendigkeit, das hohe Verbrauchsniveau in ihren Ländern als Ursache der Entwaldung anzusprechen. Das geplante Wachstum der Emissionsmärkte in den USA, Australien und anderswo, wird eine große neue Nachfrage für importierte Verschmutzungsrechte auslösen, um es den nördlichen Industriestaaten zu erlauben, wie gewohnt weiterzumachen und Emissionsreduzierungen zuhause zu vermeiden. Norwegen hat beispielsweise schon berechnet, dass die Erhaltung des Amazonasregenwaldes das zehnfache seiner jährlichen Emissionen “wettmachen” oder kompensieren könnte.

Die REDD- oder “REDD-Readiness”-Programme in den Ländern des Südens, die gegenwärtig öffentliche Mittel erhalten, bieten keinen Nachweis, dass REDD unabhängig von Emissionsmärkten betrieben wird. Ganz im Gegenteil, solche Programme sind vom Steuerzahler finanzierte Mittel, um die technische, rechtliche und politische Infrastruktur für den erweiterten Markt an Wald-Emissionszertifikaten zu schaffen, der schließlich von Großverschmutzern in den USA und anderswo gefordert werden wird.

Die neuen Verschmutzungslizenzen, die durch REDD generiert werden sollen, sind in einer Art und Weise konzipiert, die die einzige funktionsfähige Lösung des Klimawandels blockieren: Öl, Kohle und Gas müssen in der Erde bleiben. Wie die Emissionszertifikate, die durch den Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls generiert werden, sind sie nicht dafür vorgesehen, irgendeinen Nettogewinn für das Klima zu erreichen, sondern lediglich dafür, den exzessiven fossilen Brennstoffverbrauch woanders zu kompensieren. In Wirklichkeit schaffen sie es nicht einmal, dieses Nullsummenspiel zu erfüllen. Wie die CDM-Zertifikate verschlimmern sie den Klimawandel, indem sie industrialisierten Ländern und deren Firmen Anreize schaffen, die Durchführung eines umfassenden strukturellen Wandels von fossiler Energie abhängigen Systemen der Produktion, des Verbrauchs und des Transports, den das Klimaproblem verlangt, zu verzögern. Sie verschwenden jahrelang wertvolle Zeit, die die Welt nicht mehr hat.

Noch schlimmer ist, dass die Erhaltung der Wälder klimatisch niemals das ausgleichen kann, was es bedeuten würde, fossile Brennstoffe im Boden zu lassen, da Kohlenstoff, der durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen emittiert wird, zur Gesamtbelastung des Kohlendioxids beiträgt, der immer in der Atmosphäre, in der Vegetation, im Boden und in den Ozeanen zirkuliert. Kohlenstoff aus Entwaldung hingegen tut dies eben nicht. Neben anderen Schwierigkeiten, ist es diese Ungleichwertigkeit des Kohlendioxids, die die CO2-Berechnung durch REDD unmöglich macht, da sie Zertifikathändlern erlaubt, den Wert von REDD-Zertifikaten ungestraft künstlich aufzublasen und den Verbrauch von fossilen Brennstoffen weiter zu erhöhen. In den letzten Monaten hat sogar Interpol vor der Anfälligkeit von REDD gegenüber internationalem Betrug und Korruption gewarnt.

REDDs Fokus auf die massenhafte Erzeugung von Verschmutzungslizenzen für Industrien in reichen Ländern würde unvermeidlich die Bedürfnisse und Rechte einfacher Menschen weltweit vernachlässigen. Im Süden würde REDD das in lebenden Bäumen gebundene Kohlendioxid in Privateigentum verwandeln, so dass es Kapitalgesellschaften im Norden zugeschrieben und übertragen werden kann. Im schlimmsten Fall könnte es eine massive Landnahme auslösen, die in den Worten der Organisation “Survival International”, indigene Völker mit nichts zurücklassen würde. Währenddessen würden REDD-Zertifikate im Norden dazu führen, dass es Firmen, die von fossilen Brennstoffen abhängig sind, ermöglicht wird, wie gehabt weiterzumachen, zum Nachteil von Gemeinschaften, die von der Ausbeutung und Verschmutzung durch fossile Brennstoffe betroffen sind. In diesem Zusammenhang ist die Idee, das REDD dabei helfen könnte, die Landrechte zu sichern oder die Grundrechte und Existenzgrundlage von waldabhängigen Menschen zu stärken, aberwitzig. In freiwilligen Kohlenstoffmärkten haben REDD-ähnliche Projekte schon zu Landnahme, Tötungen, gewalttätigen Vertreibungen, Zwangsumsiedlungen, Verletzungen von Rechten indigener Völker, Militarisierung, Verlust des Zugangs zu Land und Lebensgrundlagen, Verlust der biologischen Vielfalt, Betrug, Nötigung und Korruption geführt. Die Aufnahme von Wäldern und Baumplantagen in die gigantische Übereinkunft des Emissionshandels könnte solche Missbräuche nur noch vervielfachen.

Da jedes REDD-Projekt außerdem nicht nur Waldgesellschaften betreffen würde, sondern auch Menschen, die unter den Tätigkeiten von Firmen, die REDD-Zertifikate kaufen, leiden und auch solche, die tatsächlich vom Klimaschaden, der durch das Projekt verursacht wird, betroffen sind, müsste man die Zustimmung einer Vielzahl an Menschen für jedes Projekt einholen – etwas, das die REDD-Durchführer nicht beabsichtigen auch nur zu versuchen.

REDD würde auch die Walderhaltung selbst gefährden, indem es kurzen Prozess mit vielen Charakteristiken des Waldes machen würde, die für das Überleben essentiell sind die vielfältigen und unterschiedlichen Art und Weisen, durch welche Wälder Heimat, Quelle des Lebensunterhaltes, Speicher der Medizin, Regulierer der Wassereinzugsgebiete und Zentren der Kultur und Spiritualität sind – anstatt die tieferliegenden Ursachen der Entwaldung anzusprechen. REDD-Initiativen würden industrielle Plantagen und sogar die Pflanzung genetisch veränderter Bäume miteinbeziehen. REDD könnte, mit den Worten der New York Times tatsächlich “ein Goldesel für Waldzerstörer” werden.

Wälder wurden und können nur durch deregulierte Forstwirtschaft, starke Rechte und Institutionen für waldabhängige Menschen – insbesondere indigene Völker – und lokal angeregte Investitionen, strikt durchgesetzte Verbote des Handels mit Holzprodukten, durch das Ansprechen des Konsumverhaltens in den nördlichen Industriestaaten usw. geschützt werden. Die Klimakrise wieder in Ordnung zu bringen, die hauptsächlich durch die großen Verbraucher fossiler Brennstoffe im Norden ausgelöst wurde, darf keine Bürde sein, die nur von entrechteten Indigenen und waldabhängigen Menschen im Süden getragen wird. Sich vorzustellen, dass die Klimaschuld, die der Norden dem Süden schuldet, durch Investitionen in REDD-Projekte abgezahlt werden können, die Kohlenstoffzertifikate für industrialisierte Länder hervorbringen, wäre der Höhepunkt der Ironie.
Übersetzung: Pro REGENWALD, Raphael Kurz quelle

Anmerkung: Habe kürzlich zufällig in eine TV-Schmonzette mit Veronica Ferres gezappt, die dort eine Biologin und Verehrerin von Jane Godell spielte. Mein Instinkt meldete mir sogleich – Veronika Ferres und Jane Godell, wenn das nicht wieder irgend ne PR Kampagne ist… Kurz darauf erhielt Jane Godell dann den  Bambi  „Unsere Erde“ Godell agiert nämlich als Promilady und Zugstute (sorry!)  für das REDD – Programm und damit für den Ausverkauf der Regenwälder! Anne Peterman merkte auf democracy now! an, Jane Godell wäre wohl mittlerweile derart desillusioniert, was die Rettung der Regenwälder betrifft, dass sie tatsächlich nur noch an diese für die Multis so profitable Lösung glaube.

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Cancun und der lukrative, freie Markt der Zerstörung

Socialising the Harm and privatising the Profit

Democracy Now – Offsetting Emissions or Pollution Profiteering?: Debating the Surge of Cap-and-Trade Carbon Market

At the U.N. Climate Change Conference in Cancún, World Bank President Robert Zoellick announced the launch of a new multi-million-dollar fund to help set up markets to trade carbon in China, Mexico, Chile and Indonesia. Carbon trading has been a hot topic here at the climate talks. John Hamilton files a report.

Siehe auch:

Is REDD the New Green? Indigenous Groups Resist Carbon Market-Based Forestry Scheme to Offset Emissions

A controversial proposal to protect forests worldwide is on the table at the U.N. Climate Change Conference in Cancún. Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation (REDD), would include forests in the emerging carbon markets, allowing governments and corporations to purchase permits to protect forests as a way to offset the carbon released into the atmosphere through its industrial pollution. Though often reported as a means to stop deforestation, there is widespread opposition to REDD from environmental and indigenous groups. We speak to Anne Petermann of the Global Justice Ecology Project. [includes rush transcript]

Leseempfehlungen zur Ölkatastrophe und zur Klimaerwärmung

Ein weiterer schwerer Verstoß gegen die Pressefreiheit im Zeichen des „War on Journalism“

Berichterstattung zur BP-Ölpest wird als Verbrechen behandelt
Reporter und Fotografen, die versuchen, über die Verseuchung der Golfküste durch das Öl der BP-Bohrung zu berichten, werden nun als Kriminelle behandelt. Falls sie das Verbot der BP, das von der US-Küstenwache durchgesetzt wird, übertreten, drohen ihnen bis zu 5 Jahre Haft oder eine Geldbuße von 40.000 Dollar.

Quelle 1: Medienwatch (hier finden sich auch weitere, sehr umfangreiche Berichte zur Ölkatastrphe, unbedingt lesen!)

Quelle 2: Huffington Post

via Nachdenkseiten

Dass „Pressefreiheit“ aber auch viel zu oft als Propagandaschleuder gegen die Aufklärung missbraucht wird, vorallem dann, wenn sie durch diverse Lobbygruppen gesteuert wird, (u. folglich auch nichts mit der wahren Bedeutung von Pressefreiheit und journalistischer Arbeit zu tun hat,  die sich ja eben durch Unabhängigkeit, Fakten-und Wahrheitstreue und einer gründlichen Recherche auszeichnet) wurde im Fall der vermeintlichen „Klimaverschwörung“ mehr als deutlich. Nun hat eine unabhängige Untersuchungskommission im Auftrag der britischen Universität von East Anglia die dort angesiedelte Climate Research Unit von jedem Verdacht freigesprochen.

Phil Jones freigesprochen

Einmal mehr erweisen sich die Vorwürfe gegen Klimawissenschaftler als völlig haltlos

Eine unabhängige Untersuchungskommission hat im Auftrag der britischen Universität von East Anglia in einem umfangreichen Bericht die dort angesiedelte Climate Research Unit von jedem Verdacht freigesprochen. Die wissenschaftliche Arbeit des nun wiedereingesetzten Direktors Phil Jones, der zwischenzeitlich von besondres engagierten „Skeptikern“ Morddrohungen erhalten hatte, wird als ernsthaft beschrieben. Die Kommission hat unter anderem auch die Zeitreihe der globalen Temperatur nachgerechnet, die von der CRU erstellt wird, und in die Kritik geraten war. Wie auch andere schon in den letzten Monaten kam die Kommission zu keinen anderen Ergebnissen, was die Robustheit der CRU-Methoden bestätigt. weiter auf telepolis>>>

siehe hierzu auch Stefan Rahmstorf Beitrag in der klimalounge: Sunday Times zieht „Amazongate“ zurück

The real Climate Gate: Wenn sich Umweltorganisationen von Konzernen kaufen lassen

und dabei selbst zu Konzernen mutieren

Democracy Now!The Real Climategate: Conservation Groups Align with World’s Worst Polluters

der britische Journailist Johann Hari, der sich mit dem Thema Korruption in diversen großen Umweltbewegungen auseinandergesetzt und darüber einen ausführlichen Artikel in The Nation veröffentlicht hat,  war gestern zu  Gast bei Amy Goodman.

sehenswerte, sehr interessante Sendung!

Von den Fehlern im und den Falschdarstellungen betreffend des IPCC-Bericht

Eine Klarstellung von Stefan Rahmstorf und anderen Wissenschaftlern

Letzlich reichte doch eigentlich schon der gesunde Menschenverstand, 2 sehende Augen  und ein wenig Verantwortungsbewusstsein, um einzusehen, dass ein Kurswechsel längst überfällig ist und jeder für sich genommen in seinem Denken und Handeln,  entweder Teil dieses Kurswechsels ist bzw. sich ihm entgegen stellt. Von daher halte ich  persönlich diese ganzen „Skeptiker- Debatten“ für völlig daneben, da die wenigsten ganz offensichtlich die Berichte überhaupt in ihrer Vollständigkeit kennnen, über die sie öffentlich streiten und es augenscheinlich ausschließlich um die Aufrechterhaltung des Status Quo geht.

Hier also die Klarstellung Seitens der Wissenschaftler, die ich der Völlständigkeit halber auch in meiner Klima-Rubrik archivieren möchte.

Fehler im IPCC-Bericht?

In den Medien werden derzeit einige Fehler – und angebliche Fehler – des letzten IPCC-Berichts (“AR4”) herumgereicht, zusammen mit reichlich Verzerrungen und professioneller Propaganda von Gruppen, die die Klimaforschung diskreditieren wollen. Höchste Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen: Welche dieser Fehler sind real, welche nicht? Und was bedeutet das für das IPCC und die Klimaforschung im Allgemeinen?

Beginnen wir mit einigen grundlegenden Fakten über das IPCC. Anders als viele meinen ist das IPCC keine große Organisation. Tatsächlich beschäftigt es nur zehn Vollzeitmitarbeiter in seiner Geschäftsstelle bei der World Meteorological Organisation in Genf und ein paar Angestellte, die technische Unterstützung für die Vorsitzenden der drei IPCC-Arbeitsgruppen und der National Greenhouse Gas Inventories Group leisten. Die eigentliche Arbeit leisten unbezahlte Freiwillige – tausende Wissenschaftler von Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit, die als Autoren oder Reviewer bei der Erstellung des IPCC-Berichtes mithelfen. Auf diese Weise ist ein großer Teil der relevanten wissenschaftlichen Gemeinschaft beteiligt. Die drei Arbeitsgruppen sind:

Working Group 1 (WG1), die sich mit den physikalischen Grundlagen des Klimas befasst, wie sie sich den Klimatologen darstellen.

Working Group 2 (WG2), die sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme und Gesellschaften bezieht, die von Sozialwissenschaftlern oder Ökologen auf der Basis der eigentlichen Klimaprognosen analysiert werden.

Working Group 3 (WG3), die sich mit Möglichkeiten befasst, den Klimawandel zu begrenzen. Hier arbeiten unter anderem Ökonomen und Energieexperten mit.

Die Assessment Reports werden alle sechs oder sieben Jahre veröffentlicht, und es dauert etwa drei Jahre, sie zu schreiben. Jede Arbeitsgruppe veröffentlicht einen der drei Bände des Berichts. Im Brennpunkt der aktuellen Vorwürfe steht der vierte Assessment Report, veröffentlicht 2007. Jeder einzelne der drei Bände hat knapp 1000 eng bedruckte Seiten, geschrieben von über 450 Haupt- und etwa 800 Nebenautoren, von denen die Mehrzahl zum ersten Mal an einem IPCC-Bericht mitgearbeitet hat. Es gibt drei Begutachtungsstufen mit mehr als 2500 Reviewern, die insgesamt 90.000 Kommentare zur Rohversion beisteuerten. All diese kann man, zusammen mit den Antworten der Autoren, öffentlich einsehen (hier und hier).

Fehler im IPCC Fourth Assessment Report (AR4)
Soweit es uns bekannt ist, wurde bisher erst einer – allenfalls zwei – echte Fehler im Bericht gefunden:

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