Vorwärts ins 19. Jahrhundert oder zurück in die Zukunft?

Als Ergänzung zu Robertos Beitrag: Konservativ, progressiv – diese Unterscheidung wird täglich dümmer! und Feynsinns Steuergeschenke

hier noch ein interessantes Gespräch mit Professor Crotty auf the real news

(Wie hüben so drüben: Agenda 2010 Global und Total)

James Crotty: Right-wing billionaires use crisis to weaken social safety net

Professor Crotty is a macro economist with broad interests whose research in theory and policy attempts to integrate the complementary analytical strengths of the Marxian and Keynesian traditions. His writings have appeared in such diverse journals as the American Economic Review, the Quarterly Journal of Economics, the Cambridge Journal of Economics, the Review of Radical Economics, Monthly Review, the Journal of Post Keynesian Economics, and the Journal of Economic Issues, and in many edited collections. His research interests include: economic methodology; the implications of radical uncertainty for macro theory and policy; theories of financial markets and their implications for understanding financial booms and crises; Marxian and Keynesian perspectives on investment theory; the structure and performance of the global neoliberal economy; theories of competition and their impact on theories of macro dynamics; the financialization of the nonfinancial firm; and the political economy of South Korea.

siehe auch: 6 wesentliche Gründe für das Wiederaufleben der Rep’s

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Mietwucher und Wohngeldkürzungen

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals, als ich nach einem Lieferschaden mit meinem Geschäft erstmals so richtig ins Straucheln kam, Wohngeld beantragen wollte. Der Antrag wurde abgelehnt, weil ich kein Einkommen nachweisen konnte, das die Sicherung meines Lebensunterhalts gewährleisten konnte. „Sie müssen Hartz IV beantragen“ hieß es da auf der Wohngeldstelle. (war gerade eingeführt worden) Das wollte ich aber nun gerade überhaupt nich. Und noch weniger wollte ich Mietrückstände ansammeln und dabei riskieren, obdachlos zu werden. So kam es dann, dass das Geld für Krankenversicherungsbeiträge nicht mehr reichte, was dazu führte, dass wir zwar nicht aus der Wohnung, dafür dann aber aus der Krankenversicherung flogen.

Wir hatten über ein Jahr verzweifelt und erfolglos nach einer günstigeren Wohnung gesucht. Niente. Also doch Hartz IV.

Nun entsprach die Angemessenheit der Miete natürlich nicht den Richtlinien. Eine günstigere Wohnung konnte uns aber keiner anbieten. Nur die Mietzuschüsse kürzen, das ging. Jetzt kam ich natürlich überhaupt nicht mehr zurecht und mit sämtl. Zahlungen in Verzug. Die Schuldenberatungsstelle empfahl mir dann, mein Geschäft ganz aufzugeben und Insolvenz zu beantragen. Woran letztlich dann auch keine Weg mehr dran vorbei führte.

Nun wurde ich wie schon merhfach hier erwähnt auch noch ungewollt mit meinem 4.Wunschkind schwanger.  Glücklicherweise gab es damals noch die 300 €uro Erziehungsgeld. Da das gesamte Hartz IV (bis auf einen kümmerlichen Restbetrag von 6 Euro noch was) direkt aufs Konto des Vermieters ging, blieben also nur noch das Kinder-u. nach der Geburt des ungeplanten Wunschkindes das Erziehunsgeld übrig, mit dem wir dann noch Restschulden, Nebenkosten etc. begleichen mussten. Ein und halb Jahre durften wir dann die Solidarität unsere Freunde und Verwandten auf ihre Mindesthaltbarkeit prüfen, um ab u. an auch mal was anderes als das Hungertuch zwischen die Zähne zu bekommen. Dann endlich fanden wir eine günstigere Wohnung über die städtische Wohnungsbaugesellschaft, bei der ich während dieser Zeit fast täglich mit meiner physichen Restexistenz auf der Matte stand, um nicht als anonyme Aktennumer unter den Tisch zu fallen.

Immerhin waren wir endlich wieder krankenversichert, womit  zumindest die ärtzliche Versorgung wieder gewährleistet war,  die wir jetzt auch dringend brauchten, denn mit unserer der Gesundheit war es nun leider auch nicht mehr zum Besten bestellt.

Nun will also die Regierung das Wohngeld kürzen. Ich frage mich, was sie damit eigentlich einsparen will? Denn wie oben geschildert, wird ja derjenige, dessen Einkommen nicht ausreicht, um für seinen Lebensunterhalt aufzukommen, von der Wohngeldstelle direkt weiter an den Hartz IV Tropf verwiesen. Wenn das Einkommen nun also nur mit Wohngeld gerade so ausreicht, um über die Runden zu kommen, wie sollte es das mit einer Kürzung des gleich noch tun? Die Geringverdiener werden also letztlich alle mit Harzt IV aufstocken müssen. Wer hätte da also was gepart?

flatteur!

PS. 10 Prozent der Flatteureinnahmen gehen heute an Frau Holle, auf dass sie im kommenden Winter für ausreichend Schnee sorgen möge. Denn Glück hat nur der, wer sich in diesen eisigen Zeiten ein Iglu bauen kann! Also, liebe Besucher, klicket bitte reichlich das flattrige button, denn auch ihr könnt morgen schon auf der Straße sitzen.

Maude Barlow auf dem Gegengipfel in Toronto

Amy Goodman: Während sich die FührerInnen der Welt zum G20-Gipfel in Toronto trafen, versammelten sich Tausende – unter ihnen maßgebliche Aktivisten aus aller Welt – in Torontos Massey Hall, um sich gegen die Gipfel-Agenda zu wenden. Eine der Schlüssel-RednerInnen auf dem Treffen der GipfelgegnerInnen war Maude Barlow. Sie leitet das ‘Council of Canadians’, die größte Bürgerrechtsorganisation Kanadas. Barlow ist zudem MitbegünderIn des ‘Blue Planet Project’.

Amy Goodman: Dies war Maude Barlows Rede. Barlow war eine der Hauptrednerinnen auf der Veranstaltung in der Massey Hall von Toronto am Freitagabend. 3.000 Menschen quetschten sich bei diesem Event in die Halle. Zur selben Zeit trafen sich die G8 und später die G20. Laut Schätzungen wurden zwischen 900 und 1.000 Menschen verhaftet, unter ihnen viele Journalisten. Es war die größte Massenverhaftung in der kanadischen Geschichte. Für die Sicherheitsmaßnahmen im Rahmen des Gipfels wurden – so wird geschätzt -, mehr als $1 Milliarde ausgegeben. Es war der teuerste Gipfel in der Geschichte Kanadas.

Die komplette Rede in deutscher Übersetzung findet sich auf lebenshaus-alb.de

Deutschland – Ein Sommernachtsalbtraum

Man kriegt das alles ja nicht mehr gebacken.  Da vergießen die Menschen Tränen, weil ihre Fussball-Nationalmannschaft den Weltmeister vergeigt hat, während sie den sozialen Kahlschlag im eigenen Land klaglos hinnehmen. Da wird mal eben die asozialste Gesundheitsreform durchgewinkt, die man sich hat ausdenken können, da werden die Rentenbeitragszahlungen der Menschen gestrichen, die jahrzehntelang in die Kassen einbezahlt haben und die dann kurz vor ihrem Ruhestnd in die Arbeitslosigkeit geschickt wurden, da soll das Elterngeld für diejenigen ganz gestrichen werden, die es am nötigsten brauchen. Das unveräußerliche Recht auf Bildung von Kindern, deren Eltern mangels jobangeboten erwerbslos sind, oder die aufgrund von Sklavenlöhnen ihr Gehalt aufstocken müssen, soll durch Chipkarten ersetzt werden – eine geniale Idee und lukrative Einkommenssicherung für all die dubiosen Nachhilfeinstitutionen und NPL-Trainer alá Scientology und CO, die sich nun endlich auch an den stigmatisierten Kindern aus einkommensschwachen Familien vergreifen können.

Ach ja, ganz nebenbei wurde auch noch ein Bundespräsident ins Amt gehievt, dessen Wahl eindeutig ungültig ist – und die Medien schweigen sich aus. Immerhin, auch wenn wir den Weltmeister im Fussball vergeigt haben, so tragen wir den Titel ja immer noch im Export und neuerdings sogar in der Beliebtheit –  BBC  hat’s  für uns ermittelt: Die Deutschen gelten als das beliebteste Volk der Welt! Bei soviel Freude, tut’s auch nicht weh, wenn die letzten noch verbleibenden „Querulanten“, misshandelt, traumatisiert und eingebuchtet werden. Kanada dürfte hier lediglich die Vorreiterrolle spielen und den Weg weisen, der auch alljenen hierzulande bevorsteht, die immer noch nicht begriffen haben, wie unsere „freiheitlich-rechtliche Demokratie“ funktioniert.

Dieser Beitrag wurde auch auf duckhome veröffentlicht.

Massive Polizeigewalt und ein Hauseinbruch bei einem fuehrenden Friedensaktivisten in Kanada waehrend der G20 Protestaktionen

An die 1000 Menschen, worunter auch sehr viele Journalisten waren, wurden im Zuge des G20 Gipfel in Toronto festgenommen. Um dies zu legitimieren, wurde im Vorfeld ein eigens auf die Protestaktionen ausgerichtetes, verfassungsfeindliches (Geheim)-Gesetz eingefuehrt, welches die Polizei ermaechtigt, jeden festzunehmen, der sich in der Naehe des G20 Gipfels aufhaelt und sich weigert, sich auzuweisen oder seine Taschen durchsuchen zu lassen. Doch auch voellig unbeteiligte Passanten, die sich am Wochenende in der Naehe der Protestaktionen aufhielten, wurden willkuerlich von der Polizei aufgegriffen und brutal zusammengeschlagen.

Hier die Zeugenaussage, eines unbeteiligten Fahrradfahrers, der nachdem er von der Polizei brutal niedergeschlagen wurde, ueber 12 Stunden mit Plastikhandschellen fixiert und blutueberstroemt  festgehalten wurde, ohne dass medizinische Notfallhilfe geleistet wurde :

Diese Zeugin, die auf dem Weg zu ihrer Geburtstagsparty war,  wurde mit 5 weiteren Maedchen in ein ca. 1,80 x 1,80 Meter grosses, mit Pfefferspray bespruehtes Kaefig gesperrt:

viele weitere Zeugenaussagen auf: http://therealnews.com/t2/

Der  fuehrende kanadische Friedensaktivist Sid Lacombe berichtet auf democracy now! wie in sein Haus eingebrochen wurde, waehrend er draussen lautstark zur internationalen Solidaritat aufrief:

Werkzeuge wurden gestohlen, Geld aber nicht angeruehrt, Akten wurden durchsucht, Schubladen durchwuehlt und wer auch immer dieser Einbrecher war, er war professionell genug um 2 Bolzenschloesser aufzubrechen, ohne Spuren zu hinterlassen.

weitere Beitraege zum G20-Totalitarismus:

Tatort G20

Tanzt mit mir den Widerstand

(ps. sitze heute an einem laptop mit englischer Tastatur, weswegen ich leider die ue’s u. oe’s nur ohne Tuepfelchen schreiben kann…)