Schland 2010

Sodele, die Woche mit den 2 neuen jobs fing schonmal ganz gut an.  Das Malochen macht tatsächlich richtig Spaß – was vor allem daran liegt, dass die Kollegen alle gut druff sind und wir gut harmonieren. Aber auch das arbeiten an sich macht Laune. Früh morgens in aller Ruhe Bücher auspacken und sortieren und dabei zu entdecken was es da so alles an neuem (oder altem) Stoff,  an Schundromanen oder echten Perlen zu lesen gibt, ist schon ne feine Sache.

Allerdings wüsste ich nicht was ich täte, wenn ich dieses rassistische Pamphlet in die Hände bekommen würde, mit welchem sich jener dumpfbackige Eugeniker und Möchtegern Intelligenz-Faschist gerade im Spotlight der medialen Steigbügelhalter plaziert hat. Diese Vorstellung allein verursacht bei mir schon ein derartiges Ekelgefühl, dass ich lieber erst gar nicht dran denken will… Da es in dem Buchladen in dem ich arbeite bislang noch keine „Rassenwahnecke“ gibt, würde ich das braune Teil im roten Einband dann auch dort einsortieren, wo es hingehört – in den Müllwagen – Kategorie „Sondermüll“. Soviel  dazu.

Für den 2. job bin ich dann ca. 2 Stunden in der Stadt unterwegs und liefere feinsinnigen, Senioren ihr wohlverdientes Mittagessen. Macht auch Laune und es hält fit, weil nicht wenige der Damen und Herren  im 4 Stock wohnen.  Auffällig ist, das wer mit so einer „christlichen Sozialkutsche“ durch die Gegend fährt, augenscheinlich sehr beliebt in der Bevölkerung ist. Jedenfalls wird mir, wenn ich mit meiner eigenen Kiste durch die Gegend tuckere, nie so oft und so überschwenglich freundlich zugewunken.  Überhaupt werde ich neuerdings mit Nettigkeiten geradezu überschüttet. Das kommt mir mitunter zwar nicht spanisch, aber doch irgendwie seltsam vor. Ich meine ich war vor diesem Rumgerenne schließlich auch schon ein wirklich netter, freundlicher hilfsbereiter und herzensguter Mensch!

Auch die Fallmanager raspeln plötzlich nur noch Süßholz – schreiben mir sogar eigenmächtig einen „fiktiven Vorschuss“ gut, der dann nach der ersten Abrechnung modifiziert wird. Zu Beginn meiner Hartzer-Karriere war das noch ganz anders – genauer gesagt gegenteilig. Da wurde erstmal überhaupt nix gutgeschrieben sondern nur zurückgehalten, eingefroren, ausgehungert.  Man wollte da wohl die Intelligenz unserer multigenetischen Misch-Family testen – erstmal prüfen ob wir selbst überhaupt Deutsch genug sind, um rechnen zu können. Konnten wir zwar – wurde dann aber einfach ignoriert.

Hm… immerhin, ein kleiner Nebensatz in dem freundlich Schreiben versetzt einen dann doch ziemlich schnell wieder auf den Bodensatz der Realität zurück und trübt die Freude des präkaren Auf(-stocker) stiegs – man will nun die Kontoauszüge meiner Tochter, die ein Jahr lang aus der „Solidargemeinschaft“ ausgestiegen war, um in aller Ruhe im Exil den Schulabschluss und nebenbei ihre ersten Nebenjob-bzw, Hiwi-Erfahrungen zu machen und ein klein wenig Taschengeld zusammenzuraffen.  Jetzt zieht sie wieder hier ein und macht weiter mit dem Fachabi. Wenn das Taschengeld nun, sollte da tatsächlich noch was habhaftes auf dem Kontöchen sein, auch noch eingezogen und verrechnet wird, dannn nützt uns auch das nicht vorhandene Mathegen nix mehr, ohne das wir zwar sehr wohl in der Lage sind, unsere Pennies zu zählen, sie aber aus rassehygienischen Gründen eben nun mal nicht halten können dürfen. Tja – so ist das eben nunmal in Deutschland 2010.

Dabei hätte ich offen gestanden noch wesentlich mehr Freude am malochen, wenn ich dabei erst gar nich an einen Lohn zu denken bräuchte. Bzw. daran wann ich wo noch ein paar Stunden drauflegen kann um über die Runden zu kommen. Meinem Ko-Piloten, einem Rentner, der mit mir im Wechsel zum Dienst antritt, geht es da auch nicht besser – der muss nämlich immer drauf achten muss, dass er eben nicht zuviele Stunden schiebt, denn wenn er über 168 Euro verdient, wird ihm dass sogleich wieder von seiner kümmerlichen Rente abgezogen. Das ist doch alles vollkommen pervers.

Es wird wirklich Zeit, sich da endlich mal ein neues arbeitspolitisches (Gesellschafts-) System auszudenken. So kann das unmöglich weitergehen. Ich treffe bald nur noch Menschen die sich entweder vierteilen müssen, zwischen ihren multiplen minijobs,  oder Malocher,  die zwar noch das „Glück“ einer Festanstellung haben, dort aber bis zum Umfallen Überstunden machen müssen.  Kein Wunder, wenn der „Rest“ dann leer ausgeht.

Soviel für heute liebe Leute, muss jetzt noch ne Runde Gassi gehen…

PS. Der virtuelle Dr. Death hat übrigens wieder zugeschlagen. Bzw. haben seine zahlreichen, perfiden Attacken meinem armen unschuldigen Rechner nun doch so schlimm zugesetzt, dass ihn letztlich dann nur noch eine komplette Neuinstallation des Systems retten konnte und dabei sämtliche Daten vernichtet werden mussten.

Resetto kompletto. Jedenfalls funzt es hier jetzt wieder wie geschmiert und das ist doch auch schön.

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